Spur von Wahrheit an der Geschichte war. Keine gegenteiligen Erklä- rungen und Erläuterungen halfen mehr. «Das hiesige Gericht hat be- schlossen, Sie in Amerika nicht zuzulassen; Sie werden mit dem Dampfer «Vaderland» kostenlos retour gesandt. (Die zur Deportation verurteilten Liechtensteiner reichten daraufhin an den Einwanderungskommissär ein Gesuch ein, in dem sie nochmals auf das Missverständnis hinwiesen und baten, den Entscheid rückgän- gig zu machen, doch das Gesuch wurde abgelehnt. Daraufhin versuch- ten sie den letzten möglichen Ausweg, eine Appellation in Washington, die aber ebenfalls abgelehnt wurde.) Unsere Sache war also endgültig verloren und wir hätten natürlich am liebsten die Rückreise sofort angetreten, jedoch der «Vaderland» war unterdessen abgefahren. Abgesehen von den seelischen Leiden, die eine Deportation im Gefolge hat, sind die Zustände in den Deportations- räumen derartige, dass ein längeres Verweilen fast unerträglich wird. Über siebentausend Personen waren beständig in diesen Räumen inter- niert, täglich kamen neue an, täglich wurden mit den verschiedenen Dampfern abgeschoben. Über dreihundert waren wir im selben Raum eingekeilt, Leute aller Nationen: Russen, Polen, Slowaken, Griechen, Bulgaren, Rumänen, Ungarn, Spanier, Italiener, Deutsche, Neger, bunt durcheinander gewürfelt. Was das oft für Leute sind, lässt sich denken, Leute vor denen einem ekelt, strotzend von Ungeziefer, ebenso die Betten, die im Hintenraume angebracht sind. Wir konnten uns nicht entschliessen, diese zu benützen, zogen es vor, uns auf den harten Cementboden zu legen. ... Elf Tage mussten wir auf Ellis Island aushalten, wir waren froh, endlich von dieser Teufelsinsel abzukommen, gleichviel auf welche Weise. Nimm nur einmal, lieber Leser, deine Phantasie zu Hilfe und versetze dich im Geiste selbst in die Lage eines Deportierten! Du kommst nach langweiliger Seereise in New-York an, voller Hoffnung und freudiger Zuversicht und nun wie ein Blitz aus heiterem Himmel diese Enttäuschung! Anstatt ans heissersehnte Ziel, hinter Schloss und Riegel, hinter Gittern inmitten der blühenden Frühlingsnatur, in der Nähe einladend und doch nicht erreichbar das Land deiner Träume, deiner Hoffnungen, deines Sehnens und du musst hier sitzen, wochen- vielleicht monatelang, je nach Umständen, eingekeilt in Hunderte dei- ner Leidensgenossen, in den denkbar traurigsten Umständen und als endliche Erlösung aus diesem Wirrsal winkt Deportation ! . . . 122
        

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