das Wild äst noch immer an seinen Ufern. Zwar konnte die Macht des Flusses durch ein System von Dämmen unter Kontrolle gebracht werden, aber jedes Frühjahr schwillt der Mississippi von neuem an, um uns daran zu erinnern, welch schreckliche Kraft Leben und Besitz in der Flussebene gefährden können. Unsere kleine Gemeinde mit ihren 2300 Einwohnern lebt noch immer vom Handel und von der Versorgung der Bauern, die die fruchtbare Prärie bebauen, die unmittelbar hinter den steil aufstei- genden Hügeln am Rand der Flussebene beginnt. Natürlich wurde das gemächliche Ochsen- oder Pferdegespann inzwischen durch schnau- bende und glitzernde Stahlmonster ersetzt, die pflügend, pflanzend und erntend über die weite Landschaft fahren, gleich einem mechani- sierten Batallion in der Schlacht um die Ernährung der Weltbevölke- rung. Dem ersten Liechtensteiner versprach man ein Stück Land von 160 acres, das, wenn er es innert fünf Jahren rodete und bebaute, ihm gehörte. Heute wird das gleiche Stück Land oft für mehr als 1000 Dol- lars pro acre verkauft und eine moderne Landmaschine kann 20 000 Dollars kosten. Die Urenkel dieser frühen Farmer haben Hochschul- abschluss, zählen auf Anhieb die Philosophen der verschiedenen Zeit- alter auf, haben in Land und Maschinenpark eine Summe investiert, die sich zwischen 250 000 Dollars und einer Million bewegt und ver- bringen ihre Winterferien in Hawaii oder auf den Bahamas. Die Einwohner von Guttenberg und der umliegenden Farmen be- teiligen sich noch auf andere Art an der Beschaffung der Nahrungs- mittel für die Weltbevölkerung: Täglich legen Dutzende von ihnen über 100 Meilen zurück, um zur Arbeit in eine Fabrik zu fahren, die landwirtschaftliche und industrielle Maschinen herstellt, die auf der ganzen Welt unter dem Namen «John Deere» bekannt sind. Damit setzen sie Guttenbergs Industrietradition fort, die zum Zeitpunkt der Einwanderung der ersten Liechtensteiner in Iowa einmalig war. Be- dingt durch die Lage der Stadt am Mississippi und durch das reiche Vorkommen der Venusmuschel, entstanden im Laufe der Jahre mehrere Perlmutterknopf-Fabriken. Mit der Zeit bildete sich im ausschliesslich Die römisch-katholische Kirche von Guttenberg, an deren Bau auch die Liechtensteiner Heinrich Büchel und Anton Wille beteiligt waren. 100
        

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