gelegen, musste über venezianisches Hoheitsgebiet gereist werden was wieder neue Protokollschwierigkeiten bereitete, denen man dadurch entging, dass man dieses Wegstück in einem Tag durchquerte und so eine Nächtigung auf fremdem Staatsgebiet vermied. Wegen der noto- risch schlechten Wegverhältnisse im venezianischen schickte der Wie- ner Hof einen eigenen Offizier nach Venedig, der die Signoria ersuchte dieses Strassenstück auszubessern. Über die Etsch musste eine neue Schiffsbrücke errichtet werden. Wie gesagt, weniger die historischen Daten dieser Reise als die verkehrstechnischen Probleme sollen uns hier interessieren. Die Ent- fernung von Wien nach Parma beträgt ungefähr 830 Kilometer, eine Wegstrecke, die man heute mit dem Auto, wenn man fest darauflos- fährt, in einem Tag bewältigen kann. Damals benötigte man für diese Entfernung, wenn man mit der Reisekutsche fuhr, ungefähr zwei bis drei Wochen. Die Suite des Fürsten bestand aus 240 Personen. Als Ehrenkavaliere begleiteten ihn seine beiden Neffen, die Prinzen Franz Josef (der nach- malige Fürst Franz Josef I.) und dessen Bruder Johannes, ferner die Grafen Batthiany, Leslie, zwei Grafen Kaunitz, die Grafen Lamberg und Palffy, schliesslich der ganze Hofstaat, beginnend mit dem Beicht- vater und Messeleser, einem Pagenkorps, den Hausoffizieren, den Hai- duken, Tafeideckern, Silberputzern, Büchsenspannern, Wagenbauern bis zum Hofzuckerbäcker und den Kammerdienern. Zum Hofstaat ge- hörte auch als eines der prominentesten Mitglieder Angelo Soliman, der hochfürstliche Mohr Josef Wenzels. Zur Beförderung dieses Hof- staates waren rund 60 Kutschen notwendig und es ist vorstellbar, welche Schwierigkeiten allein die Bespannung und der Pferdewechsel auf dieser langen Reise mit sich brachten. Das grösste Problem bei die- ser Reise war aber der Transport der 6 schweren Galakarossen von Wien nach Parma. Als die Betrauung des Fürsten mit dieser Mission feststand, began- nen sofort die Vorbereitungen im Rahmen des fürstlichen Hofstaates und Josef Wenzel traf die grössten Anstalten, so glänzend wie möglich aufzutreten. Als er 1737 als kaiserlicher Botschafter seinen Einzug in Versailles hielt, hatte er sich in Paris drei Prunkkarossen bauen lassen, darunter den noch heute erhaltenen Goldenen Wagen. Zu diesen drei Kutschen liess er nun in Wien einen vierten Galawagen bauen, einen XLI
        

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