Hindernissen nicht kräftig genug zu wirken beginnen, so kann man sich von der körperlichen, und geistigen Vollkommenheit der Fürsten- thums Bewohner nicht viel vortheilhaftes versprechen. An eine Lebensweise gewohnt, bei der das Hirtenleben ihm an- lokender, als der 45 beschwerlichere Feldbau ist, sucht der Lichtensteiner sein Glük, in ziegelloser Freyheit, fröhlichem Müssiggange, und in der Befriedigung aller seiner Leidenschaften, wenn dies gleich dem Nächsten, und dem Staate schädlich ist. In seinem Charakter ist er sinnlich, falsch, eigennützig, streit, und zanksüchtig, in seinem eigenen Familienkreise sowohl, wie auch ausser demselben unverträglich, unsittlich, unmässig in Speiss, und Trank, wie lange seine Vorräthe dauern, unbesorgt für die Zukunft, und un- fähig in seiner Haushaltung eine vernünftige Ordnung einzuführen. Sein äuseres ist schmutzig, abgeschmakt, ungeschikt, und bis zum Eckl schleppend, seine Handlungsweise träge, und alle seine Verrich- tungen langsam. In seinen Nahrungsmitteln ist er nichts weniger als heiglich, allein er bedarf zu seiner Sättigung viel, denn nach eingeführter Landessitte muss des Tages hindurch fünfmahl gegessen, und wenn man es vermag zweimahl getrunken werden. In besseren Zeiten war er der Trunkenheit sehr ergeben, was zwar dermahl wegen der Theuerung des Getränkes, und der allgemeinen Verarmung bei weniger Individuen mehr gesagt werden kann; 46 allein deswegen ist er doch von diesem Laster noch nicht geheilt. Milch, Erdäpfeln, und Türkenkorn, aus dessen Mehle, Brod, und allerhand Mehlgerichte zubereitet werden, sind neben etwas Gerste, und Spelzkörnern, letztere aber nur bei vermöglicheren die Hauptnah- rungsmittin. Die gewöhnlichen Speisen sind, eine Mehlsuppe vom gerosteten Türkenmehle, Erdäpfeln, und bei wohlhabenderen, oder wenn noch Vorräthe im Hause sind, ein Bräu vom Türkenmehl. 245
        

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