Alpen betrug die mittlere Grösse der Landfläche eines Gutshofes ca. 100 ha.138 Die grossen Betriebe jedoch wiesen das Mehrfache an bewirt- schafteter Fläche auf. Dennoch musste die wirtschaftliche Lage zu Ende des 2., anfangs des 3. Jahrhunderts den Siedlern im Nendler Feld ge- stattet haben, einen relativ grosszügigen Hauptbau auszuweiten. In die- sem Zeitabschnitt scheint in unserer Gegend eine rege Bautätigkeit ein- gesetzt zu haben: im nahen Schaanwald, auf dem Lutzengüetle-Kopf (besonders nach 259 n. Chr.), in Balzers und vermutlich auch in Triesen.137 Hinweise auf eine verfeinerte Wohnkultur im Nendler Gutshof konnten wir aber keine finden: es lagen weder Mosaiken in Zimmer- böden, noch gaben die Wohnhorizonte gepflegten Schmuck frei. Einige Keramikstücke, Beschlägsstücke zu Pferdegeschirr, die spätrömische Fibel in Form eines stilisierten Rössleins stellen Zeugnisse des Kunst- handwerkes dar. Die meisten Objekte, die wir fanden, sind jedoch Dinge des täglichen Gebrauchs: Messer, Hammer, Nägel, Schere, Schlüssel, Ringe, Klöppel, usw.; dann die Bronzegegenstände wie Ohrlöffelchen, ein mit Flicken überdeckter Bronzekessel. Die insgesamt neun Münzen, welche in Nendeln gefunden worden sind, verdienen besondere Auf- merksamkeit. Auch darf man auf die diversen Geschirreste hinweisen: Sigillata, Reibschalen, Teile von Lavezgefässen. Plumpe Keramik lag neben eleganter Importware aus fernen Werkstätten. Im Fundkatalog sind bearbeitete Knochen und Hirschhornstücke verzeichnet. Schliesslich wenig Glas, Fensterglas und Glasflakon. Aber auch nicht bestimmbare Gegenstände sind ausgegraben worden, wie eine kleine, klobige Blei- scheibe, eine Knochenscheibe und ein scheibenartiges Gebilde aus Terrakotta. Auf die verschiedenen Bauelemente ist schon öfters ver- wiesen worden. X 151 25,54; Y 156 995,75 verlief in nord-südlicher Richtung im Grund- wasser in 3.00 m Tiefe eine 70 cm breite, gemörtelte römische Mauer. Bei der Nordecke des Gemeindehauses, ca. 250 m westlich obiger Fundstelle beobachteten wir Ähnliches. 136 Charles-Marie Ternes, Das röm. Luxemburg, Zürich 1971, 73. 137 Literatur in den Arbeiten, welche in den Anmerkungen 133 und 135 auf- geführt sind. Das Gebiet von Balzers weist den Schwerpunkt römerzeit- licher Besiedlung in der ersten Hälfte des 4. Jahrh. auf. Die Konzentration der Münzen in diesem Zeitraum lässt die Vermutung zu. 138
        

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