Grossstädte, modernen Verkehr und hohen Lebensstandard im 20. Jahr- hundert aufgefangen, zugleich aber in die Dritte Welt exportiert wurde. Die Industrielle Revolution ist in Liechtenstein mit mitteleuropäisch, ländlich und alpin bedingter Verspätung in einer ersten Phase seit den 1860er Jahren zögernd wirksam geworden. Liechtenstein blieb aber in seiner Wirtschafts- und Sozialstruktur bis in die Nachkriegszeit weit- gehend agrarisch. Danach erst vollzog sich, getragen von der allgemei- nen europäischen und weltwirtschaftlichen Entwicklung, das liechten- steinische Wirtschaftswunder, dem Sozialgesetzgebung und Ausbau des Bildungswesens folgten. Die zweite, politisch-gesellschaftliche Revolu- tion setzt sich aus den Ideen und Wirkungen der Französischen Revolu- tion und der sozialistischen Bewegung zusammen. Selbstbestimmung der Nationen und des Individuums wurden postuliert und allmählich im Laufe des 19. und 20 Jahrhunderts durchgesetzt. Der Sozialismus weitete die Selbstbestimmung des Menschen von den politischen auf die sozio-ökonomischen Bedingungen aus, mit einer Verschiebung des Akzents vom Individuum auf die Gesellschaft und damit vom Privat- eigentum zum Kollektiveigentum. Liechtenstein folgte auch der poli- tisch-gesellschaftlichen Revolution mit Verspätung. Es wurde — trotz landständischer Verfassung seit 1818 — bis über die Mitte des 19. Jahr- hunderts hinaus spätabsolutistisch regiert. Die europäische Revolution von 1848, die auch Liechtenstein ergriff, brachte vorübergehend eine konstitutionelle Verfassungsform; ihre Früchte gingen 1862 in der kon- stitutionellen Verfassung mit Grundrechten und gewählter Volksver- tretung auf. In der Verfassung von 1921 wurden die Volksrechte weiter ausgebaut. Der Sozialismus hat in Liechtenstein, das auf die bisher er- folgreiche Marktwirtschaft ausgerichtet ist, keinen Boden gefunden, wenn sich auch seit 1921 in der Verfassung das anderwärts umstrittene «Recht auf Arbeit» findet (§ 19). Mit der zunehmenden internationalen Verflechtung im 20. Jahrhundert wurde Liechtenstein ebenfalls dem Auf und Ab der Weltwirtschaft und den"Auswirkungen der Weltkriege aus- gesetzt. Auf diesem knapp skizzierten Hintergrund bewegen sich die Ausländer in der liechtensteinischen Geschichte. 13
        

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