gentskommandant Blaudek hatte vorsorglich vorher schon das Land verlassen, der zweite Offizier und neue Kommandant, Baron von Fal- kenhausen, sowie Feldwebel Benedikt Kudermann konnten sich nur durch rasche Beurlaubung ins Ausland vor der schimpflichen Vertrei- bung retten, welche von den Vaduznern und Balznern bereits be- schlossen war. Auch die andern Beamten flohen oder machten sich reisefertig, da man drohte, «man werde die fremden Bettler zum Lande hinausjagen». Selbst der im Land aufgewachsene Landvogt Menzinger ersuchte um Versetzung auf einen andern Dienstposten.31 In der vom liechtensteinischen Historiker und Professor Peter Kaiser verfassten Adresse an den Fürsten verlangten die gewählten Revolutionsausschüsse, dass die Beamtenstellen mit Inländern oder, wenn solche fehlten, mit Leuten aus freieren deutschen Staaten — eine Spitze gegen Österreich — besetzt würden.32 Dem wurde dann langsam, vorerst in den niedrigeren Stellen, Rechnung getragen. Die Regierung der Landesverweser öster- reichischer Herkunft wurde aber weiterhin ungern gesehen, der Name Karl von In der Maur gilt heute noch als Inbegriff der «Ausländer- regierung». Vor dem Ersten Weltkrieg und in dessen Verlauf wuchs in Liechtenstein eine Bewegung unter dem Motto «Liechtenstein den Liechtensteinern», und 1918 wurde schliesslich der letze Landesverwe- ser österreichischer Herkunft, Imhof, in einem liechtensteinischen Staatsstreich kurzerhand abgesetzt.33 Freilich gab es auch Zugezogene, welche dank ihrer Verdienste und ihrer Umgänglichkeit rasch das volle Vertrauen der Bevölkerung ge- nossen. Beispiele dafür sind neben vielen Geistlichen die bereits er- wähnten Kessler und Fischer: Beide wurden 1862 ehrenvoll in den ersten Landtag gewählt, der zehn Jahre als Regierungsbeamter im Land tätige Kessler sogar mit der zweithöchsten Stimmenzahl und der erst 28jährige Reallehrer Fischer trotz kaum dreijährigem Aufenthalt mit der erstaunlichen fünfthöchsten Stimmenzahl.34 Dem aufgeschlossenen Landesverweser Carl von Hausen, der das Land 1861 bis 1884 mit Geschick verwaltete, verliehen die Vaduzer schon 1868 das Ehrenbür- 31 Geiger, S. 75 ff. 32 Ebenda, S. 63. 33 Vgl. Raton, S. 122. 34 Geiger, S. 305. 42
        

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