können die ehemaligen Liechtensteinerinnen ihr durch die Ehe mit einem Ausländer verlorenes Bürgerrecht wiedererlangen. Die Ausländerpolitik der Behörden ist zweifellos nicht das einfache Abbild der Einstellung der einheimischen Bevölkerung zu den Aus- ländern. Diese lässt sich im Laufe der Geschichte nicht durchgehend und gründlich erfassen, da sie nur hie und da in einem Amtsbericht, einem Gesuch oder einer Zeitungseinsendung aufscheint und da Emo- tionen meist nicht aktenkundig werden. Einige Grundzüge des Ver- haltens lassen sich trotzdem an Beispielen zeigen. Etwas genauer soll die Zwischenkriegszeit betrachtet werden. Wo die Ausländer als wirtschaftliche Konkurrenz oder als gestrenge Vertreter der Staatsgewalt auftraten, stiessen sie auf Ablehnung, die bis zum Fremdenhass reichen konnte. Schon 1819 richteten die Ge- meinden die Bitte an den Fürsten, man solle bestimmte Einkünfte nicht mehr fremden Vagabunden verpachten, worauf der gestrenge Landvogt Schuppler sarkastisch antwortete, es gehe nicht wohl an, Ausländer ab- zuweisen und an ihrer Stelle weniger fähige Inländer zu berücksichti- gen.28 Gegen Ende des Jahrhunderts beklagten sich die Triesner, die ausländische Fabrikleitung ziehe «das fremde Gesindel» den Einheimi- schen vor, und der Pfarrer von Triesen meldete dauernde Anstände mit den Fremden. Neben sozialen und moralischen Auswirkungen beun- ruhigte der mit der Zahl der Fremden wachsende evangelische Kon- fessionsteil im bislang ganz katholischen Liechtenstein.2" Da die von den Industriellen erbauten Arbeiterwohnhäuser teilweise — wie im Vaduzer Mühleholz — ausserhalb des Dorfes lagen,30 blieben die ohne- hin verachteten «Fabrikler» isoliert und ihre Assimilation erschwert. Zu einem vor allem politisch motivierten Ausbruch des Volkszorns gegen Fremde kam es in der Revolution von 1848. Er richtete sich — wie auch anderwo — gegen die Beamten ausländischer Herkunft. Der Kanzlist Johann Langer wurde von einem johlenden Haufen aus der Vaduzer Oberamtskanzlei geholt, mit Trommel und Pfeifen ins Unter- land geführt und in Schaanwald über die Grenze gestellt. Der Kontin- 28 Quaderer, S. 54 f. 29 Ospelt, S. 280 f. 30 Ebenda, S. 284 ff. 41
        

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