In der dritten Phase vom Beginn des Ersten bis zum Ende des Zwei- ten Weltkrieges schwankt die Zahl der Ausländer stark, sie nahm ins- gesamt nur absolut zu, relativ gesehen jedoch von 1911 mit 16,9% bis 1941 mit 16% sogar leicht ab. Der Erste Weltkrieg brachte ein Absinken des Ausländerbestandes um rund ein Viertel auf 996 oder 12,5% der immer noch stagnierenden Bevölkerung im Jahre 1921. Kriegsdienst in ihrer Heimat — besonders in Österreich — und die völlige Einstellung der Industrieproduktion im Land liessen viele Ausländer wegziehen.12 Erstaunlich ist dann der Zustrom in den Zwanzigerjahren, als die Aus- länder rasch auf 1691 oder 17% im Jahre 1930 kletterten. Ihr Anteil stagnierte darauf von der Mitte der Dreissigerjahre an und sank im Krieg leicht ab auf 16 % um 1941. Der trotz Arbeitslosigkeit hohe Aus- länderanteil wird ebenfalls noch einer Erklärung bedürfen. In der vierten Phase setzte schliesslich nach 1945 eine neue Einwan- derungswelle ein, die alles bisherige in den Schatten stellte und auch der seit den Vierzigerjahren wieder rasch wachsenden einheimischen Bevölkerung weit davonlief. Dabei zeigt sich deutlich, dass sich die Zu- nahme der Ausländer nach 1960 nochmals beschleunigte. 1950 machten die Ausländer mit 2751 einen Fünftel der Wohnbevölkerung aus, 1960 mit 4143 bereits rund einen Viertel. Eine unerhörte Zunahme brachte das 1960er Jahrzehnt mit dem Arbeitskräftehunger der Konjunkturüber- hitzung: 1970 stellten 7046 Ausländer 33% der Wohnbevölkerung dar, 1973 war das Drittel — kurz zuvor zur magischen Grenze für die Aus- länderpolitik erklärt — überschritten. Damit war der erste Höchststand des Ausländeranteils von 16,9 % vor dem Ersten Weltkrieg verdoppelt. Ende 1974 zählte man 8203 Ausländer, das sind an die 35 % der liech- tensteinischen Wohnbevölkerung. Die Gründe für diese Entwicklung liegen in der im Laufe des Zweiten Weltkrieges einsetzenden zweiten Industrialisierung in Liechtenstein, die wegen besonders günstiger Vor- aussetzungen eine dichte Ansiedlung von exportorientierten Industrien brachte. Diese gaben dem Fürstentum nicht nur erstmals in seiner Ge- schichte Vollbeschäftigung, ihre ungehemmte Expansion bedurfte über- dies eines starken Zustroms immer weiterer Kräfte.13 12 Vgl. Ospelt, S. 61. 13 Vgl. dazu Schnetzler, S. 74 ff. 22
        

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