erklärt sich auch die Beschränkung seiner Verwendung auf die Fasten- zeit. Das Fastentuch ist also im Zusammenhang mit der kirchlichen Bussdisziplin zu sehen. Wegen seiner Sünden ist der Gläubige nicht würdig, das Allerheiligste zu schauen. Die alte Kirche kannte zur Zeit ihrer reinsten Disziplin nur die öffentliche Busse. Als Busszeit galt vor allem die Fastenzeit zwischen dem Aschermittwoch als Tag der Buss- auflegung und der Ausscheidung der Büsser aus der Gemeinschaft der Gläubigen und dem Gründonnerstag als dem Tag der Versöhnung und Lossprechung.8 Diese strenge Bussordnung erhielt sich neben der Privat- beichte bis ins 14. Jahrhundert. Aber schon seit dem 10. Jahrhundert wurde die geweihte Asche bei Beginn der Fastenzeit von allen Gläubi- gen empfangen. Das Allerheiligste durften sie während der Busszeit nicht schauen. Es wurde ihren Blicken durch das Fastentuch entzogen. Alle wurden dadurch an den Ernst der Zeit erinnert und zur Einkehr gemahnt. Das Fastentuch bekam die sinnbildliche Bedeutung von Busse und Reue.0 GESCHICHTE UND VERBREITUNG Der Brauch, Fastentücher aufzuhängen, scheint von Burgund aus- gegangen zu sein. Er verbreitete sich im 11. Jahrhundert über das ganze Abendland. In England waren die Fastentücher besonders häufig. Dort war ihre Verwendung durch Synodalbestimmungen vorgeschrie- ben.10 Das Konzil zu Exeter (1287) bestimmte für jeden Altar, an dem zelebriert wurde ein velum quadragesimale (Tuch der vierzig Tage).11 In Italien wurde es weniger gebraucht. Eine Anzahl von Fasten- tüchern hat sich in Kärnten erhalten. Von besonderer Bedeutung ist das Hungertuch von Gurk.12 In Vorarlberg gibt es noch drei Fastentücher, die alle dem Vorarl- berger Landesmuseum gehören. Eines davon, aus dem 18. Jahrhundert 8 Emminghaus, a. a. O., S. 38. 9 Schneider, a. a. O., S. 6. 10 Hölker, a.a.O., S. 66. 11 Elisabeth Hohmann, Das Telgter Hungertuch. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, Bd. 3, Berlin 1936, S. 322. 12 Schneider, a.a.O., S .4 ff. 144
        

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