verkehr und ohne Bewilligung Arbeiten ausführten, zum Teil sogar eigene Fuhrwerke zu Speditionszwecken mitführten. Vorarlberger arbeiteten auch um geringe Entlohnung als Knechte in der Landwirt- schaft, während der Bauer um andere Arbeit ausging und so den «armen Liechtensteiner Arbeitern» den Verdienst wegnahm. Von nun an sollte eine Fremdarbeiterzulassung an die Gemeindepolizei, den Landweibel und die Arbeitsnachweisstelle gebunden sein.104 Kasinogesellschaft und Anglobank Wohl wenige Liechtensteiner Projekte erregten für kurze Zeit so sehr das Interesse und die Gemüter der Vorarlberger Presse. Sämtliche Zeitungen waren sich darüber einig, dass die geplante Spielbank «in moralischer Hinsicht durchaus verwerflich» war — und nicht nur für die Liechtensteiner, sondern auch für die Vorarlberger Nachbaren. Aber auch in Vorarlberg gab es durchaus Abstufungen in der nega- tiven Beurteilung dieses Unternehmens. Besonders der Feldkircher An- zeiger bemerkte, dass die unleugbaren ungeheuren wirtschaftlichen Vorteile auch die «angrenzenden Länder nicht unberührt» Hessen. Dies vor allem in Hinblick auf eine von der Kasinogesellschaft geplante elektrische Strassenbahn zwischen Feldkirch und Ragaz im Werte, von 4 — 5 Millionen Franken.105 Das Vorarlberger Tagblatt benutzte die Spielbankfrage wiederum als Angriff gegen Dr. Wilhelm Beck und brandmarkte im Zusammen- hang mit dem Schweizer Zollanschlussgedanken die Liechtensteiner «mammonistischer .Gesinnung, welche besonders während des Krieges durch den Wucher und Schmuggel grossgezogen» worden sei.10'1 Den- noch zeigt das Tagblatt Spüren von Verständnis für die Liechtensteiner: Deren triste wirtschaftliche Lage und moralische Krise wurde unter anderem darauf zurückgeführt, dass der Fürst seinen ständigen Wohn- sitz bisher nicht in Liechtenstein aufgeschlagen habe.107 104 ON, 25. 2. 1922. 105 FA, 22. 10. 1919. 106 VT, 19. 10. 1919. 107 VT, 1. 11. 1919. 102
        

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