Mit Hinweis auf die Praxis im benachbarten Ausland lehnte die F. L. Regierung ab, machte aber bereits im März 1922 für einzelne Pri- vatpersonen Ausnahmen, indem man beim Grenzübertritt nur Marke und Nummer des Fahrrades vormerken lassen musste.83 Die fürstliche Regierung hatte am 23. Mai 1922 bei der Grenzkon- trollstelle Feldkirch angeregt, den gegenseitigen Visumzwang für Reise- pässe Österreichischer und Liechtensteiner Staatsangehöriger aufzuhe- ben. Die österreichische Zentralbehörde reagierte jedoch auf den Feld- kircher Antrag nicht, so dass die F. L. Gesandtschaft in Wien den Fall übernahm.84 Der Erfolg dieser Bemühungen konnte jedoch nur ein temporärer sein, da das Schweizer Politische Departement die F. L. Regierung aufmerksam machte, «dass die für den Zollvertrag in Aus- sicht genommene Verlegung der Fremdenpolizeistelle gegen Vorarlberg so lange ausgeschlossen wäre, als den Österreichern eine derart leichte - Einreisemöglichkeit gegeben sei». Liechtenstein habe zu wählen zwi- schen einem Fremdenpolizeikordon am Rhein auf eigene Kosten und einer Wiedereinführung des Visumszwanges. Um «keine Opposition gegen den Zollvertrag heraufzubeschwören, versicherte die fürstliche Regierung, «die nötigen Einreisebeschränkungen .... im gleichen Masse wie die schweizerische Gesetzgebung zu gegebener Zeit» zu erlassen.85 Wachsender Schweizer Einfluss in Liechtenstein und vergebliche Vorarlberger Pläne Mit der Unterzeichnung des Schweizer Zollvertrages am 29. März 1923, nachmittags drei Uhr, begann eine neue Phase liechtensteinisch- österreichischer Grenzbeziehungen. Sie war dadurch gekennzeichnet, dass die Schweizer Zollbehörden starken Einfluss auf die Liechtensteiner Regierung auszuüben begannen. Es galt vor allem, die spekulative Wareneinfuhr aus Österreich zu verhindern, weil man eine Schädigung der Schweizer Industrie und eine Umgehung des künftigen schweizeri- schen Eingangszolles und anderer Abgaben befürchtete. Zu diesem 83 LLA: Bewilligung der FLReg. Vaduz an Michael Meier, Dirigent des Musik- vereins in Schaan. Vaduz, 21. 3. 1922. 84 ON, 23. 7. 1922. 85 LLA: FLGes. Bern an FLReg. Vaduz. Bern, 12. 12. 1922 Antwortschreiben vom 13. 12. 1922. 94
        

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