Fleischwaren aus Vorarlberg nach Liechtenstein eingeführt würden, um als «Liechtensteiner Ware» zu erhöhtem Preis auf dem Vorarlberger Markt verkauft, oder was hauptsächlich geschah, im Transitverkehr nach Innerösterreich versandt zu werden. In einer Sitzung am 24. Februar 1919 zwischen Vertretern der Vor- arlberger Landesregierung und Landesverweser Prinz Karl v. Liechten- stein in Feldkirch wurden diese Misstände auch von fürstlicher Seite zugegeben. Man beschloss folgende Massnahmen: Die Vorarlberger Finanzwachorgane erhielten die polizeiliche Vollmacht, sämtliche Im- porte und Exporte auf allen Transportmöglichkeiten und vor allem die oben genannten Nahrungsmittel, Spirituosen, samt Vieh, Kartoffeln, Kaffee und Kaffeesurrogate zu beschlagnahmen und der Bezirkshaupt- mannschaft zur Verfügung zu stellen, wenn sie nicht durch Transport- scheine gedeckt waren. Eine solche Transportbewilligung zu erhalten, war nicht wenig kom- pliziert. Für Fette aller Art war die Landesfettsteile; für Getreide, Brot und Kartoffeln die Kriegsgetreideanstalt; für Käse die Käseabteilung des Landeskomitees für soziale Fürsorge; für Vieh und Fleischwaren die Landesviehverkehrsstelle; für Obst- und Branntweine die Gemüse- obststelle; für Zucker die politische Behörde 1. Instanz in Vorarlberg und für Kaffe die Kaffeeabteilung des Landesrates, sämtliche in Bre- genz, zuständig. Verantwortlich für Liechtenstein war die fürstliche Regierung. Um die illegale Einfuhr über den Post- und Bahngüterverkehr zu verhindern, durften Sendungen ohne Transportbewilligung nicht ange- nommen werden.43 Die Vorarlberger Landesregierung machte schliesslich den Vorschlag, das Ausfuhrverbot nach Liechtenstein auch auf Holz und Eier auszu- dehnen. Liechtenstein setzte sich jedoch gegen ersteres zur Wehr, da dadurch der Fortbestand des Kübler- und Schreinergewerbes gefährdet sei, das ausserdem mit Vorarlberg rege geschäftliche Verbindungen besitze. Gegen das Vorarlberger Eierimportverbot hatte man nichts ein- zuwenden und schlug vielmehr vor, den Liechtensteiner Eierexport- überschuss mit Gegenlieferungen, besonders Kaffee und Kaffeersatz, in offiziellen Austausch zu bringen.44 43 LLA: Vbg. Landesregierung an FLReg. Vaduz, Bregenz, 24. 2. 1919. 44 LLA: FLReg. Vaduz an Vbg. Landesregierung Bregenz. Vaduz, 8. 3. 1919. 80
        

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