Propaganda und persönlichen Einfluss bei der Wiener Regierung, vor allem im Zusammenhang mit der Buchser Bahnhof- und Zollamtfrage, auch tatsächlich einen negativen Einfluss auf den Fortgang der Liech- tensteiner Anschlussbestrebungen auszuüben vermochte. Als Zeichen der Existenz Liechtensteinischer Anschlussgegner wur- den in Vorarlberger Blättern, besonders wieder im deutschfreiheitlichen Vorarlberger Tagblatt, seit 1923 aber auch in verstärktem Masse im Feldkircher Anzeiger, ähnlicher politischer Einstellung, Artikel und Kommentare Liechtensteinischer Herkunft abgedruckt; so etwa im Zu- sammenhang mit der Auflösung der fürstlichen Gesandtschaft in Wien. Man zitierte das Liechtensteiner Volksblatt vom 10. Februar 1923 wie folgt: «. . . . Österreich wird diesen Schritt sicherlich als Unfreundlich- keit auffassen .... Die einseitige Orientierung nach der Schweiz geht viel rascher vor sich, als wohl ehemals die Annäherung an Österreich erfolgt ist und es scheint, dass sie auch radikaler erfolgen soll; wir hal- ten dafür, dass uns gute Nachbarschaft nach Ost und West not täte.»23 Die Hoffnungen dieser Vorarlberger Kreise stützten sich damals noch auf zu erwartende Entscheidungen des Liechtensteiner Landtages und eine Volksabstimmung, zumal in der Liechtensteiner Kommission unter dem «ganz im schweizerischen Fahrwasser schwimmenden Dr. Beck .... weder Fachleute noch Juristen beigezogen wurden», und Laien nicht zugemutet werden könne, den Stoff eines solchen Vertrages zu beherrschen.24 Selbst die Volksmelodie «O Tannenbaum» diente einem in Wien studierenden Liechtensteiner Agrarstudent, die schwierige Lage seiner Heimat kundzutun:23 «Tragische Geschichte. Ich Liechtenstein, ich Liechtenstein, Ich Ländchen an dem Rheine. Ich bin so klein und ach so arm, O, dass ein Gott sich mein' erbarm ! Ich Liechtenstein, ich Liechtenstein, Ich Ländchen an dem Rheine. 23 VT, 11. 2. 1923. Auf die engen Beziehungen zur Vbg. Anschlussfrage weist auch Witzig Daniel: Die Vorarlberger Frage. Basel 1974, S. 413 — 419. 24 VT. 21. 6. 1921. 25 ON, 2. 8. 1922. 73
        

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