schliesslich in Ermangelung eines anderen Fachmannes Dr. Peer zum Sieg verhelfen konnte, fasste die Bevölkerung Vorarlbergs die Ableh- nung Dr. Peers durch einen Teil der Liechtensteiner nun nicht mehr allein als durchaus akzeptable Antiwienkampagne auf, sondern als persönliche Brüskierung. Zu einer Verschärfung der Landesverweserfrage trug schliesslich noch der am 19. April ausgerufene Eisenbahnerstreik auf der Strecke Feldkirch-Buchs bei. Wiener Zeitungen hatten die Nachricht des «Berner Bundes» übernommen, dass der Streik gegen die Berufung Dr. Peers gerichtet sei, wogegen die F. L. Gesandtschaft in Wien heftig reagierte. Der Schweizerischen Telegraphen-Agentur ging die offizielle Nachricht zu, der Streik gelte ausschliesslich der österreichischen Bahnverwaltung, von der wegen der Warenverteuerung und der faktischen Einführung der Schweizer Währung in Liechtenstein eine Ausbezahlung der Gehäl- ter in Franken gefordert wurde.12 Die «Vorarlberger Anschlussfrage» und Rückwirkungen auf Liechtenstein Das Vorarlberger Tagblatt trug auch in den folgenden Jahren we- sentlich dazu bei, dass die latenten Spannungen zwischen der Liechten- steiner Volkspartei und den westösterreichischen Deutschfreiheitlichen am Leben erhalten blieben, da es die Oberrheinischen Nachrichten immer wieder zu kräftigen Reaktionen reizte: «Eher könnte man von einer Verösterreicherung Liechtensteins in den Vorkriegsjahren und Kriegsjahren sprechen.»13 Und an anderer Stelle: «Von einem Hass ge- gen die österreichischen Nachbarn ist bei Dr. Beck .... keine Rede .... Die Bezirkshauptmannswirtschaft hat das Liechtensteiner Volk um Sack und Bändel gebracht .... Es ist nicht notwendig, dass der Öster- reicher mehr in Liechtenstein gilt und zu sagen hat als der Ein- heimische . .. »14 Als die Ansichten des Tagblattes von den deutschfreiheitlichen Inns- brucker Nachrichten unterstützt wurden und so regionales Gewicht be- kamen, begannen auch Ostschweizer Zeitungen, wie die Rheintalische 12 LLA: ELGes. Wien an FLGes. Bern, 27. 4. 1920. 13 ON, 14. 3. 1923. 14 ON, 26. 8. 1922. 69
        

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