Die Vorarlberger Missstimmung über die Kündigung des Zollvertrages Die Missstimmung der Vorarlberger auf die rational zwar durchaus verständliche Vertragskündigung mit Österreich war allgemein. Nur kam sie vorerst öffentlich kaum zum Ausdruck und wurde unterdrückt, obwohl man in Feldkirch die Protest- und Volksversammlung von ca. 300 Liechtensteinern in Eschen gegen die Kündigung des Zollvertrages mit grosser Genugtuung verfolgt hatte. Dass man jedoch in Liechtenstein von der latenten Kränkung und Bitterkeit der Vorarlberger wusste, be- weisen die frühen Bekenntnisse des Liechtensteiner Volksblattes im Zu- sammenhang mit der Publikation der entscheidenden Landtagssitzung vom 2. August, dass die Zollvertragskündigung «keinen Schatten auf unser freundnachbarliches Verhältnis mit Österreich wirft und dass einst das deutsche Blut und der deutsche Gedanke sich doch noch stärker erweisen wird, als alle Trennungsgedanken, von welcher Seite sie auch kommen mögen».5 Die öffentliche Diskussion kam in Vorarlberg aber erst durch einen provozierenden Artikel der Oberrheinischen Nachrichten ins Rollen, als diese die Tätigkeit der Vorarlberger Anschlussfreunde an Deutschland im sogenannten «Schwabenkapitel» als «Hetzarbeit» bezeichneten. Das Vorarlberger Tagblatt konterte vorerst mit dem Abdruck eines Artikels aus dem «Allgemeinen Tiroler Anzeiger», in welchem dem Für- stentum «ungeheure» Bereicherung durch Schmuggel und Wucher ge- genüber seinen österreichischen Nachbaren vorgeworfen wurde. Die Begründung, die Unabhängigkeit des Landes verlange eine Lösung aus dem österreichischen Zoll verband, wurde als «leeres Geschwätz» be- zeichnet, wofür ja der Wunsch nach einem Zollanschluss an die Schweiz spreche." Noch deutlicher wurde die Sprache in einer als «Liechtensteiner . Brief» (18. September) getarnten Redaktionsaussendung. Ohne sich in die innenpolitischen Verhältnisse Liechtensteins einmischen zu wollen, erging sich das Vorarlberger Tagblatt in scharfen und zynischen An- griffen: Der wirtschaftliche Anschluss an die Schweiz sei das Ende der Liechtensteiner Selbständigkeit und nur der Vorteil einzelner; man be- zeichne sich als Demokraten, dulde aber keine Widersprüche, spreche 5 LV, 6. 8. 1919. 6 VT, 17. 9. 1919. 66
        

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