Der Vertrag mit Osterreich Das Fürstentum Liechtenstein war ursprünglich ein gänzlich isolier- tes staatliches Gebilde ohne jede wirtschaftliche Bindung an ein grös- seres Staatswesen. Auch als unser Land souverän wurde und sich unter Wahrung der Selbständigkeit 1815 dem Deutschen Bunde anschloss, war ein Beitritt zu dem allmählich sich entwickelnden Deutschen Zoll- verein unmöglich, verband uns doch mit dessen Mitgliedsstaaten keine gemeinsame Grenze. Es blieb nur eine Verbindung mit Österreich übrig, die seit 1848 von unseren Volksvertretern gewünscht wurde. Am 5. Juni 1852 wurde der «Staatsvertrag zwischen Österreich und Liechtenstein, wodurch der Beitritt des Fürstentums Liechtenstein zu dem österreichischen Zoll- und Steuergebiete festgesetzt wird», unter- zeichnet. Es war eine Geltungsdauer von 12 Jahren vereinbart bei einer Kün- digung von einem Jahre vor Ablauf. Erste Änderungen erfolgten 1863 nach Kündigung durch Österreich. Damals machte sich eine starke Bewegung für einen Anschluss an die Schweiz geltend, in Petitionen der Mehrzahl der Gemeinden zum Aus- druck kommend, die aber im Landtag kein Gehör fanden, weil die Ver- gütungen Österreichs aus dem Vertrage die Hauptstütze der Staatsfi- nanzen geworden waren. Sie machten in den ersten Jahren fast die Hälfte, bald aber den Hauptteil des Staatsbudgets aus, in der Zeit vor dem Ersten Weltkriege im Durchschnitt etwa 70 Prozent der gesamten Staatseinnahmen. Diese Zahlen belegen, dass der grosse Kaiserstaat ein grosszügiger Partner gewesen ist. 1876 wurde eine neue Fassung formu- liert, und seither ist die Verbindung ohne Änderung in Kraft geblieben. Im Ersten Weltkriege, der für Österreich-Ungarn so unglückselig verlief, zeichnete sich bereits der Verfall der auch bei uns gültigen österreichischen Krone ab, die zu Beginn einen Wert von Fr. 1.05 hatte und Ende 1918 nur mehr 30 Rappen galt. Bei der Einführung des öster- reichischen Schillings im Zuge der Sanierung wurde ein Schilling mit 10000 Kronen bewertet. Dieser totale Zusammenbruch kostete unserem Lande nach einer amtlichen Schätzung 25 Millionen Schweizerfranken, die das gesamte Sparvermögen bedeuteten, meist aus sauer erarbeiteten Kleinbeträgen von Bauern und Gewerbetreibenden zustandegekommen! 8
        

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