eine «merkwürdige Aufwallung des Gefühls» bezeichnet, denn sonst heisse es doch bei Staatsverträgen immer Zahn um Zahn, Vorteil gegen Vorteil. Und dann wird gar vor der Einverleibung unseres Landes ge- warnt, weil sie ein neues Staatsideal einer grosshelvetischen Politik nach sich ziehe ! Es ist heute schwer, über diese mit überzeugtem Pathos vorgebrachten Argumente nicht zu lächeln. Erst zum Schlüsse kommen die Initianten auf den Hauptpunkt, die berechtigte Sorge in der Frage der Verlegung des Zollamtes von Buchs nach Feldkirch. Behandlung im Landtag und in der Zollvertragskommission Unsere Zollvertragskommission schneidet gleich in der ersten Sitzung vom 6. März ein heikles Thema an: Die Versorgung Liechtensteins mit Lebensmitteln für den Kriegsfall. In einem vertraulichen Schreiben ersucht die Regierung den Geschäftsträger in Bern um vorsichtige Son- dierung, ob eine Klausel in den Vertrag aufgenommen werden könne, dass uns im Kriegsfalle die Schweiz mit Lebensmitteln versorgen werde. Dr. Beck bespricht die Frage im Politischen Departement, muss aber naturgemäss erfahren, dass eine grundsätzliche Bindung nicht möglich ist und in den Räten keine Aussicht bestehe, sie vielmehr den Vertrag gefährden könnte. Es wurde aber erklärt: «Die Schweiz wird uns aber in einem sol- chen Falle freiwillig entgegenkommen.» Wir wissen, wie grosszügig tatsächlich das Entgegenkommen unse- res Nachbars im Zweiten Weltkrieg gewesen ist, denn wir hatten die- selben Lebensmittelkarten und Bezugscheine wie die Schweiz, was je- dem Liechtensteiner in Dankbarkeit unvergessen bleiben wird. In weiteren Sitzungen unserer Kommission handelte es sich um die Fragen der Höhe des von der Schweiz zu entrichtenden Zollpauschales, um die Viehsömmerung auf den Alpen der Unterländer in Vorarlberg und um die freie Arbeitsannahme von Arbeitern aus Liechtenstein in der Schweiz. In der Landtagssitzung vom 8. Juli erschien Prinz Franz als Vertre- ter des Landesfürsten. Auf seine Ansicht über die Zollvertragsfrage von Präsident Dr. Wilhelm Beck angesprochen, gab er folgende ausdrück- lich als privat bezeichnete Meinung ab: «Ich halte dafür, dass ein eige- nes Zollgebiet sich auf die Dauer nicht wird halten können. Ein An- schluss an Österreich kommt für uns gar nicht in Frage, das wird jedem 35
        

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