Die meisten unserer deutschen und vordeutschen Flurnamen sind auch in der näheren oder weiteren Nachbarschaft in derselben oder einer etwas anderen Form zu finden. Hier nur einige wenige Beispiele: Gafadura gibt es im Bündnerland dutzendweise; auch im nahen Vorarlberg stossen wir auf diese Alpbezeichnung. Der Flurnamen S p e c k i kommt in unserem Land gleich dreimal vor; in der aleman- nischen Schweiz, allerdings mit Ausnahme des Bündnerlandes, haben sich in ehemals nassen Gegenden ebenfalls noch manche Specki-Namen erhalten. Unser Werth (Werd) in Mauren findet seine Entsprechung im benachbarten Werdenberg, in der Insel Werd, im Werdhölzle in Zürich und in vielen weiteren Flurbezeichnungen im grossen deutschen Sprachgebiet. Krüppel gibt es in Schaan und in Triesenberg und im weiten Alpenraum begegnen uns immer wieder Flurbezeichnungen die ebenfalls auf das uralte vorromanische Alpenwort «Krippo» zurück- gehen. Nun aber gibt es bei uns einen sehr verbreiteten Flurnamen, für den ich ausserhalb Liechtensteins trotz eifrigem Suchen kein Gegenstück finden konnte. Wir haben es hier ganz offensichtlich mit einer eigen- ständigen Entwicklung zu tun; es geht, wie schon aus der Überschrift zu ersehen ist, um den Flurnamen Bretscha. Das Verbreitungsgebiet Das Flurnamenverzeichnis von Joseph Ospelt (hist. Jahrbuch 1910) bringt gesamthaft 23 Bretscha-Namen. In den Gemeinden Schaan, Mau- ren, Eschen und Gamprin kommt das Wort allein, also ohne Verbindung mit einem anderen Wort vor; daneben aber erscheint Bretscha in vie- len Wortverbindungen hauptsächlich als Grundwort, so in Bruckprit- schen, Erlenpritschen, Fallspritschen, Galenpritschen, Lochpritschen, Moospritschen, Rohrpritschen, Stiegpritschen, dann in Statthalters- pritschen, in Messmerspritschen, Schmiedspritschen. Weiter gibt es einen oberen Pritschen, einen unteren Pritschen, einen äusseren Prit- schen. Es fällt auf, dass alle Britschen in nassen oder ehemals nassen Gebieten liegen. Der Unterländer sagt denn auch nicht Moor- oder Torfboden, sondern «Bretschaboda». In früheren Jahrhunderten wurde der Begriff Bretscha als Appelativ, d. h. als Gattungsname verwendet, wie wir heute die Worte Bünt, Wiese, Acker etc. gebrauchen. So wimmelt es geradezu im alten 251
        

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