draussen immer ein Mann um die Mark, leuchtet mit einem Licht und tut so, als wenn er etwas suchen würde. Ich gehe einmal hinaus und schaue nach, was das ist.» Vergeblich riet ihm der Vater ab: «Tu das nicht, es ist wohl ein Geist, der zu seinen Lebzeiten die Mark versetzt hat.» Aber der Sohn hörte nicht auf die Worte des Vaters und schlich zur Mitternacht um die Hausecke. In einem weissen Gewände stand der Geist mit seinem Lichte da und hielt ihm die Hand hin. Der Bursche nahm sie, aber das hätte er nicht tun sollen, denn man darf nie eine Geisterhand ergreifen. Er stellte die Grenzpfähle wieder an die alte Stelle, wie es der Geist wünschte, und kam ins Haus zurück. Vor den Augen seiner Mutter fiel er plötzlich um und war tot. Die Eltern brachten für die Seelenruhe des Kindes ein grosses Kreuz an der Hauswand an. Der Geist wurde nie mehr gesehen. VOM PFAFFENMAHDBOCK 13 Vor langer Zeit lebte in Schaan ein Mann, der Markpfähle versetzte, aber niemand bemerkte den Bodendiebstahl. Drei Tage nach seinem Tode wurde eine seltsame Entdeckung gemacht: Ein Ziegenbock gei- stete im Pfaffenmahd, und später wurde er der «Pfaffenmahdbock» genannt. Seltsames wurde von ihm erzählt: Immer wieder kam er vom Ga- mander herunter, und er versetzte mit dem Maul Markpfähle an die richtige Stelle. Oft dauerte es lange, bis er die richtigen Plätze fand. Wenn die Bauern am Abend ihre Pferde auf die Weide getrieben hatten und sie am frühen Morgen wieder holen wollten, vernahmen sie manchmal das Geschrei des Pfaffenmahdbockes. Sie konnten dann nicht zu ihren Pferden, waren wie gebannt und mussten bis zum Aveläuten warten. Wenn Leute durch das Riet gingen, kamen sie oft vom Wege ab und irrten umher, bis sie beim Aveläuten ganz plötzlich den rechten Weg fanden und voller Angst dem Ziele zuliefen. Auch sie hatte der Pfaffen- mahdbock genarrt. 239
        

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