Dekretalen 2. 19. 11, die ziemlich detaillierte Rechtskenntnisse verlan- gen.24 Auch Vaistlis Tätigkeit als Notar ist ein Beweis dafür, dass er die «ars notaria» beherrscht hat. Georg Vaistli mag in Italien (wohin Hermann Bürser den Weg ge- wiesen haben könnte) oder aber auch bei einem Notar in seiner Heimat die Notariatskunst erlernt haben. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhun- derts lassen sich mindestens drei Feldkircher Notare nachweisen: Petrus Schuchler (1408, 1412), Ulrich Langenhuser (1415) und Ulrich Culman (1439).25 Überdies ist damit zu rechnen, dass der Lateinschulmeister einer so bedeutenden Schule wie Feldkirch ebenfalls eine Funktion als Notar ausgeübt hat, wie dies später für Johannes Vetter nachzuweisen ist.20 Zudem gab es ein überreiches Schrifttum, aus dem ein angehender Notar auch im Selbststudium vieles erlernen konnte.27 Zwei Urkunden vom 14. Februar 1446 und vom 27. September 1448 geben Aufschluss über Vaistlis bereits in jungen Jahren erlangte Posi- tion, die er nahezu fünf Jahrzehnte innegehabt hat. Georg Vaistli war einmal freier öffentlicher kaiserlicher Notar in Konstanz und darüber- hinaus beamteter Schreiber und zugleich Notar des geistlichen Gerichts daselbst. Eine Änderung ist im Laufe der Jahrzehnte nicht eingetreten. Wohl führte er 1459 einen Prozess um Pfründe und ein Kanonikat in Chur, verzichtete jedoch 1464 auf beides28 und blieb weiterhin in Kon- stanz tätig. Obwohl er als kaiserlicher Notar überall sein Amt hätte ausüben können, lassen sich Amtshandlungen Georg Vaistlis nur in Konstanz feststellen. Insbesondere ist Georg Vaistli auch nicht in seiner engeren Heimat als Notar aufgetreten. In der Zeit des Bistumsstreits zwischen Ludwig von Freiberg und 24 Vgl. Ferdinand Elsener, Notare und Stadtschreiber. Zur Geschichte des schweizerischen Notariats, Köln/Opladen 1962, insbes. S. 34, Anm. 32. 25 Vasella (vgl. Anm. 20), S. 102, Nr. 5 (Schuchler), Nr. 6 (Langenhuser); Karl Wolfart, Geschichte der Stadt Lindau im Bodensee, 2. Bd., Lindau 1909, S. 200-206 (Culman). 26 Ludewig (vgl. Anm. 2), S. 49, Nr. 33. 27 Vgl. Roderich Stintzing, Geschichte der populären Literatur des römisch- kanonischen Rechts in Deutschland, Leipzig 1867, S. 293 ff. 28 Urkunden vom 5. November 1459 und 17. August 1464 (vgl. Anhang Nr. 6 und Nr. 7). 221
        

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