Gläubiger wollten nicht mehr hinnehmen, dass das Ausbleiben der Zahlungen nur durch den Krieg bedingt sei, und auch die Regierung wollte nicht mehr an die Zukunft des Senders glauben. So kam es, dass schliesslich Regierungschef-Stellvertreter Dr. Alois Vogt sein Mandat als Verwaltungsrat der Liechtensteinischen Rundspruch AG niederlegte.20" Über ein Jahr nachdem der Sender stillgelegt worden war und nach- dem Roditi einige Gesuche um Überweisung ins Ausland eingereicht hatte, traf endlich Geld aus London ein. Dr. Marxer konnte damit prak- tisch alle Schulden begleichen.270 3. Drohung aus Deutschland? Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, dass der Hauptgrund für das plötzliche Schweigen des Senders nicht in der durch die Kriegs- ereignisse entstandenen prekären Finanzlage zu suchen ist. Der wahre Grund scheint vielmehr der Kriegsausbruch selbst gewesen zu sein.271 Am 3. September 1939, drei Tage nach dem deutschen Einmarsch in Polen, erklärte Grossbritannien dem Dritten Reich den Krieg.'272 Nach- dem die Deutschen seit ihrem Einmarsch in Österreich auch an der liechtensteinisch-österreichischen Grenze in Schaanwald standen, be- fand sich der mit englischem Kapital betriebene liechtensteinische Lan- dessender in unmittelbarer Nähe des deutschen Einflussbereichs. Da auch in Liechtenstein nationalsozialistische Strömungen bestanden, bil- dete die Existenz des Senders zweifellos eine Gefahr für das Land. Nach Schilderungen Kenmores soll Regierungschef Hoop sogar eine Bomben- 269 AM, Roditi, Schreiben Marxer an Kenmore v. 27. 2. 40. 270 AM, Roditi, Schreiben Marxer an Mills v. 21. 11. 40 : Bestätigt den Emp- fang von Fr. 5 679.25. Davon werden Rechnungen im Totalbetrag von Fr. 4 984.45 bezahlt. Unbezahlt bleiben : — Feriengeld für Jos. Kindle, — Feriengeld für F. Ritter, — Honorar für Dr. Marxer, — Restschuld v. Fr. 1 028.65 für Ludwig Ospelt, Baumeister, Vaduz. 271 AM, Roditi, Zeugnis f. J. Kindle v. 11. 6. 40: «... Die am 1. ds. ausge- sprochene Kündigung erfolgte ausschliesslich wegen der durch den Krieg nötig gewordenen Stillegung des Landessenders . . . ». 272 Hartmann, S. 266. 192
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.