Es würde sich also noch darum handeln, technisch eine Lösung zu fin- den, die beiden Ländern konveniert.» Überraschend schnell konnte der Postvertrag abgeschlossen werden, aber die Materie des Zollvertrages war viel komplizierter, und zudem traten Widerstände gegen ihn auf, die nicht vorauszusehen waren. Verhandlungen in Wien Um dem vertragslosen Zustande mit Österreich ein Ende zu berei- ten, fand am 2. Dezember im Staatsamt für Äusseres in Wien unter Vorsitz des Gesandten Ippen eine Sitzung «betreffend die Gestaltung der Zoll- und Handelsbeziehungen zu Liechtenstein» statt, an der 13 höhere Beamte aus fünf Ministerien und von unserem Lande der Wie- ner Gesandte Prinz Eduard von Liechtenstein, Landtagspräsident Fritz Walser (er war nach der Demission von Dr. Albert Schädler in diesem Amte nachgerückt) sowie Legationssekretär von Baldass teilnahmen. Eigenartig sind die Äusserungen des Landtagspräsidenten: «Man hat die Absicht, sich vorläufig an niemand anzuschliessen und abzuwarten, bis sich die politische Lage klärt. Nach der Meinung der Mehrheit des Landtages wird Liechtenstein für den Fall, dass ein zollpolitischer An- schluss Österreichs an Deutschland zustandekommt, sich dieser Zoll- union anschliessen müssen. Auch für den anderen Fall, dass eine Donauföderation gebildet wird, erscheinen die Gründe für einen An- schluss sehr erwägenswert. Eine Minderheit im Landtage neigt dem Anschlüsse an die Schweiz zu, aber dies sei vorläufig eben nur eine Minderheit.» Mit dieser Minderheit konnte natürlich nur die Volks- partei gemeint sein, die geschlossen für den Zollanschluss an die Schweiz eingestellt war. Prinz Eduard entwickelte den Plan, dass Liechtenstein die Post auf eigene Rechnung führen und Österreich nur die Betriebsführung, Kon- trolle und Überwachung übernehmen möge — in einem Zeitpunkt, da die Verhandlungen mit der Schweiz schon weit fortgeschritten waren. Es ist auch nicht verwunderlich, dass er als alt-österreichischer Beamter für den Aufschub der Entscheidung eintrat. Noch 1945 schrieb er in seinem Buche «Liechtensteins Weg von Österreich zur Schweiz» folgen- de Worte: «Es ist müssig, die Frage zu erörtern, ob Liechtenstein sich wirtschaftlich besser entwickelt hätte, wenn man an der Zollfreiheit festgehalten und mit zufliessendem Kapital, das damals gerne in das 19
        

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