Liechtensteiner Alprechte in Vorarlberg Ein lebenswichtiger Wirtschaftszweig Liechtensteins, speziell des Unterlandes, war die Viehzucht. Diese hing aufs engste mit Vorarlberg zusammen, weil man dort einen traditionellen Absatzmarkt und sechs Grossviehalpen mit ca. 420 Stück Rindern besass: Tiefensee bei Bludenz, Fahren im Montafon, Ziersch bei Vandans, Rautz auf dem Arlberg, Sil- bertal und Heuberg im Klostertal. Obwohl den Liechtensteinern während des Krieges ein wesentlicher Teil des während der Alpzeit gewonnenen Molkens in Vorarlberg be- schlagnahmt worden war — auf Intervention der F. L. Regierung im Mai 1919 auf die Hälfte reduziert — bedeutete die Erhaltung dieser Alpen eine Existenzfrage und wurde ein politisch empfindlicher Explo- sivstoff: Man wusste schliesslich nicht, ob die Kündigung des 
Zoll Ver- trages mit Österreich und der Anschluss an die Schweiz nicht wesent- liche Verschlechterungen bringen würden.112 Die gesamte «Vorarlberg-Problematik» der Liechtensteiner Bauern kam auf der Zollkommissionssitzung am 7. Juni 1922 zum Ausdruck, wo Dr. Wilhelm Beck den Bauernvertretern Rede und Antwort zu ste- hen hatte. Auf die Kernfrage des Ruggellers Hoop, ob das Land die Gewähr biete, dass bei einem Zollanschluss an die Schweiz das Vieh ungehindert auf die Vorarlberger Alpen aufgetrieben werden könne, versicherte Dr. Beck, es sei dies die Voraussetzung für den Abschluss eines Vertrages. Die Bauern witterten aber dennoch Fussangeln und be- rührten eine weitere Hauptschwierigkeit, die der Seuchenbekämpfung und deren Bestimmungen: Schweizer hätten Alpen in Vorarlberg ge- habt, diese aber wegen der strengen seuchenpolizeilichen Vorschriften wieder verkaufen müssen, «weil sie immer beim Viehauf- und Abtrieb seitens der Schweiz Schwierigkeiten hatten». Dr. Beck wies darauf hin, dass die Liechtensteiner ihre Alpen in Vorarlberg ja besässen. Und auf eben dieser Grundlage werde verhandelt. Was Wilhelm Beck vorerst nicht kommentierte, war die Feststellung Josef Marxers aus Eschen: «Wir Unterländer haben früher unsere Pro- dukte gut auf dem Markte in Feldkirch absetzen können, wenn dies 112 LLA: FLReg. Vaduz an Vbg. Landesreg., Vaduz, 9. 3. 1919. Telegramm d. Vbg. Landesreg. an FLReg. Vaduz. Bregenz, 15. 5. 1919. 105
        

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