und durch die Verfassungsgarantien in seinen Vollmachten beschränkt. Die Volksvertretung bestand aus zwölf Mitgliedern, die vom Volk in- direkt über Wahlmänner gewählt wurden, und drei Abgeordneten, die der Fürst bestimmte. Dieser Landtag war an der Gesetzgebung, der Aussenpolitik und der Gestaltung der Staatsfinanzen entscheidend be- teiligt. Die Regierung bestand aus dem Landesverweser, zwei liechten- steinischen Landräten und dem Regierungssekretär. Die Regierungs- mitglieder wurden vom Fürsten ernannt und waren dem Landtag Re- chenschaft über den Staatshaushalt schuldig. Der Landeskassaverwalter, der Landesphysikus, der geistliche Schulrat, der Landestechniker, der Landesgeometer, der Landesforstbeamte und der Landestierarzt waren der Regierung mit beratender Funktion zugeordnet. Die Hofkanzlei in Wien war weitgehend ausgeschaltet. .Sie leitete nur mehr Berichte an die Regierung weiter. Die Verfassung von 1862 wurde bei ihrem Erscheinen vom Volk durchwegs günstig aufgenommen. In der Folge entspann sich im Fürstentum eine emsige gesetzgeberische Tätigkeit und fruchtbare Auf- bauarbeit in allen öffentlichen Bereichen. Das lag wesentlich im neuen Bewusstsein des Volkes, den Staat nun mitzugestalten. Das Gemeinde- gesetz vom 24. Mai 186431 brachte die Reorganisation des Gemeinde- wesens, die fast so dringlich war wie die bereits vorgenommene Ver- fassungsreform. Der Gemeinderat, von der Gemeindeversammlung ge- wählt, bedeutete demokratische Vertretung und Leitung. Er bestand aus dem Ortsvorsteher, dem Kassier und drei bis sieben Gemeinderäten, je nach der Grösse der Gemeinde. Diese auf drei Jahre gewählte Ge- meindevertretung wurde von der Gemeindeversammlung kontrolliert. Die Gemeinden besassen nun politische Selbstbestimmung und waren in der Vermögensverwaltung frei. Das Aufsichtsrecht der Regierung hatte keinen bevormundenden Charakter mehr. Diese neue Ordnung des liechtensteinischen Staatswesens blieb bis 1921 im wesentlichen erhalten. Trotz der verschiedenen Mängel — die Gewaltentrennung war zu wenig ausgestaltet, der Landesverweser konnte seine Stellung zur Willkür missbrauchen, was die Regierung dem Volk entfremdete — bewährte sich die konstitutionelle Ordnung im ganzen. «Der Übergang zum parlamentarischen System im Jahre 1921 bedeutete nicht ihr Scheitern, sondern nur einen, allerdings ent- scheidenden, Weiterausbau.»32 c) Aussenbeziehungen Liechtenstein gehörte als Reichsfürstentum innerhalb des seit 1521 in zehn Kreise eingeteilten Deutschen Reiches dem Schwäbischen Kreis 31 LGBL 1864, Nr. 4. Vgl. dazu Geiger, S. 318 - 321. 32 a. a. O., S. 333. Am 5. Oktober 1921 wurde die heute noch gültige Ver- fassung von Fürst Johann II. sanktioniert. 79
        

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