vermögen fassen ohne Einwilligung des Oberamtes. Gemeindever- sammlungen waren nur dazu da, den Untertanen oberamtliche Verfü- gungen bekanntzugeben. Die Landesherrschaft vereinigte eine Macht- fülle auf sich, wie niemals zuvor.23 Liechtenstein wurde 1815 Mitglied des Deutschen Bundes und war dadurch verpflichtet, eine landständische Verfassung einzuführen. Mit der Verfassung vom 9. November 1818 kam Fürst Johann I. dieser Ver- pflichtung nach. Das Fürstentum, sei dem 1. Januar 1809 ohne geschrie- bene Verfassung, hatte nun zwar eine vom Fürsten unterzeichnete und gedruckte Grundordnung, aber die Dienstinstruktionen vom 7. Oktober 1808 wurden in keiner Weise eingeschränkt, und die «alten Rechte» des Volkes blieben weiterhin unberücksichtigt. Die landständische Verfas- sung, eingeführt auf Befehl des Fürsten, hatte allein den Zweck, eine Verpflichtung der Bundesakte zu erfüllen. Die Landstände bestanden aus dem Klerus und der Landmannschaft. Die Landmannschaft setzte sich aus den Ortsrichtern und Säckelmeistern der einzelnen Gemeinden zusammen. Der Klerus entsandte drei Vertreter in den Landtag. Auch Besitzer einer geistlichen Pfründe mit einem steuerbaren Vermögen von mehr als 2 500 Gulden, sowie Untertanen, die einen Steuersatz von mehr als 2 000 Gulden aufwiesen, hatten das Anrecht auf die Land- standschaft. Trotz der Institution der Landstände kann von einer echten Volksvertretung nicht gesprochen werden, denn der jährlich zusam- mentretende Landtag hatte keine andere Funktion, als die herrschaft- liche Steuerforderung ohne jedes Mitspracherecht anzunehmen und zu bestätigen. Die Ständeversammlung, der erste liechtensteinische Land- tag, war eine reine Formsache.23 Das Volk hatte keine Einflussnahme auf das Verwaltungsgeschehen. Nur in Form von untertänigst abgefassten Bittgesuchen an den Fürsten konnte es seine Wünsche äussern, meist ohne grosse Hoffnung auf Erfüllung.24 In den Unruhen von 1831/32 wurden neben wirtschaftli- chen und verwaltungsmässigen Änderungen erstmals auch eine bessere Repräsentation des Volkes, Budgetberatung im Landtag und teilweise Gemeindeautonomie gefordert.25 Diese Bestrebungen und ein weiterer Vorstoss von 184 0 
20 blieben erfolglos. Das 1842 erlassene Gemeindegesetz27 brachte wohl demokratische Formen, denen aber der eigentliche demokratische Gehalt fehlte. Die Gemeinden wählten je drei Kandidaten für die Ämter des Richters, des 22 a. a. O., S. 49 f. 23 betr. Landständische Verfassung, vgl. Ospelt, Verfassungsgeschichte, S. 22 - 25. Quaderer, S. 16-30. 24 Quaderer, S. 41-58: Die Bittgesuche von 1817 und 1819. 25 a.a.O., S. 59-103: Die Unruhen von 1831/32. 26 a. a. O., S. 107-109. 27 Betr. Gemeindegesetz vom 1. August 1842, vgl. Quaderer S. 181 — 190. 77
        

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