schiedenen Regionen seine Agenten hatte. Ein solcher Agent war auch Postmeister Wolfinger in Balzers, der den Raum Liechtenstein zu be- treuen hatte.11- 1857 suchte Johann Georg Frommelt um die Bewilli- gung an, eine Agentur für Auswanderer nach Südbrasilien in Vaduz zu eröffnen. Das Regierungsamt lehnte das Gesuch ab mit der Begrün- dung, «dass ein Anerbieten für derlei Reisende nicht vorliege, und dass Frommelt keine Bedingnisse für die Spedition vorgelegt habe».113 — 1856 schickte die Hofkanzlei dem Regierungsamt 10 Exemplare einer Broschüre «Darstellung meiner gemachten Erfahrungen über Nord- amerika in den Jahren 1853 und 1854, worin vorzüglich New York be- leuchtet wird», Wien 1855. Die Broschüren sollten gemäss Anordnung des Fürsten in den Schulen und von den Ortsvorständen «zur Einsicht und Belehrung der Auswanderungslustigen» verteilt werden:114 Ein Beispiel für den Versuch der Behörden, die bedrohlich werdende Aus- wanderungsbewegung zu hemmen. Nach einer längeren Zeit der Ruhe brach Ende der 70-er Jahre erneut das «Auswanderungsfieber» aus.115 Vor allem Balzers war stark betroffen und verlor 1880/81 rund 8°/o seiner Bevölkerung durch Auswanderung. Mangelnde Verdienstgele- genheiten im Lande, immer neue Krisen in der Textilindustrie und die starke Beanspruchung durch die Rheinschutzbauten veranlassten im- mer wieder Menschen, ihr Glück in der Ferne, vor allem in Amerika zu suchen.116 Die Auswanderungsbewegung nach Übersee riss trotz des wirtschaftlichen^ Aufstiegs seit etwa 1890 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges nie vollends ab.117 Während und gegen Ende des Krieges verliessen vor allem viele österreichische Bürger unser Land. Auch; zwischen den beiden Weltkriegen kehrten Liechtensteiner ihrer Heimat 112 Das geht aus einem Schreiben des Landesverwesers an den Fürsten vom 3. September 1851 hervor. Der Landesverweser berichtet über die Aus- wanderung in Liechtenstein, da der Hamburger Senat an das Oberamt gelangt sei wegen des Schutzes der Auswanderer vor Prellungen etc. Der Landesverweser betont, dass es bisher keine Klagen liechtensteinischer Auswanderer wegen schlechter Haltung, Bedrückungen etc. gegeben habe. LRA NR 99/6, Nr. 217. 3. September 1851. Landesverweser an Fürst. . 113 LRA NR 99/6, ad Nr. 522. 2. Mai 1857. RA an Frommelt 114 LRA NR 105/138. 17. Februar 1856. HKW an RA. 115 Vgl. Tabelle im Anhang Nr. 22, S. 68 f. Seit 1880 ca. wird Österreich ent- schieden zum Auswanderungsland (Buzek, Auswanderungsprobleme, S. 453), und auch in der Schweiz setzt die zweite Welle der Auswande- rungen nach Übersee ein (Bickel, Bevölkerungsgeschichte, S. 159 — 166). 116 Zwei Berichte aus dem Liechtensteiner Volksblatt mögen die Zeit der stärksten Auswanderung charakterisieren. (Anhang Nr. 36, S. 106 — 108.) 117 Noch 1910 stellt Wilhelm Büchel an die Regierung das Gesuch, in Schaan ein Auswanderungsbüro errichten zu dürfen. Er will dem bestehenden Büro in Buchs/SG Konkurrenz machen und beansprucht Alleinvertretung für Liechtenstein. Die Regierung lehnt die Konzessionierung ab. - LRA 1910/ad Nr. 1361 . 24. Juli 1970. 61
        

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