tensteinischen Bevölkerung hatte hiemit seine gesetzliche Ordnung er- halten. Vom 1. Januar 1853 bis zum 1. August 1855 verlor Liechtenstein 71 Einwohner durch Auswanderung.105 Bis zum 1. August 1858 zogen weitere 38 Liechtensteiner fort.100 Die erste Auswanderungswelle klang bereits ab und kam bis Ende der 60-er. Jahre beinahe .vollständig zum Erliegen.107 Ein paar Einzelheiten mögen die erste Welle von Auswanderungen aus Liechtenstein veranschaulichen. 1847 wollte ein Ruggeller Bürger mit seiner 4-köpfigen Familie auswandern. Er war Bauer und nicht sehr angesehen und hatte schon mehrmals wegen Diebstahls und Be- trugs in Untersuchungshaft gesessen. Der Landesverweser bezeichnete es deshalb als Gewinn, «wenn diese Familie ihr Glück anderswo fin- den würde» und befürwortete die Auswanderung. Als die Hofkanzlei das Gesuch bewilligte, stellte das Oberamt in seinem Bescheid an den Gesuchsteller sichtlich zufrieden fest, dass der Auswanderer das «lOper- centige Abfahrtsgeld» zu entrichten habe und samt seiner Familie das liechtensteinische Staatsbürgerrecht und das Recht als Gemeindebürger von Ruggell verliere.108 — Ende des Jahres stellte Christoph Quaderer für ihn und seinen Bruder das Auswanderungsgesuch.109 Da der jüngere Bruder noch militärpflichtig war. bat sein Vater, ihm die Auswande- rungsbewilligung dennoch zu erteilen.110 Der Vater war Witwer, 62 Jahre alt und hatte 7 unmündige Kinder zu versorgen. Sein Vermögen war zu klein, um den Kindern im Lande eine Existenz geben zu kön- nen. Ein Sohn war daher schon nach Amerika ausgewandert, wo es ihm so gut ging, dass er seinen beiden Brüdern das Reisegeld hatte zu- schicken können. Am 10. Januar 1856 erteilte das Oberamt die Aus- wanderungsbewilligung.111 — Mit der Beförderung von Auswanderern nach Amerika befasste sich ein gewisser Rufli in Aarau, der in ver- 105 LRA SF alte Volks- und Viehzählungen. Zusammenstellung o. D. - Den 71 Auswanderern standen im selben Zeitraum 12 Einwanderer gegenüber. 106 LRA SF alte Volks- und Viehzählungen. Zusammenstellung o. D. - Im selben Zeitraum wanderten 32 Personen ein. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die erste Auswanderungswelle bereits abnahm. 107 Vgl. dazu auch Tabelle im Anhang Nr. 22, S. 68 f. Die Gründung von Industriebetrieben in Liechtenstein dürfte einer weiteren Auswanderung wohl massgebend entgegengewirkt haben. — Vgl. unten, S. 262 ff. — Genaue Angaben über Auswanderungen fehlen; bei einer Betrachtung der vorliegenden Unterlagen dürften in der ersten Auswanderungswelle (ca. 1845 — 1870) rund 300 Personen weggezogen sein. 108 LRA NR 92/83, ad Nr. 235. 13. Juli 1847. RA an HKW und weitere Korrespondenz. 109 LRA NR 1.06/100. 15. Dezember 1855. Protokoll beim OA. 110 a. a. O.. 21. Dezember 1855. Quaderer an OA. 111 a. a. O., 10. Januar 1856. OA an Quaderer. 60
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.