sehe Tüchtigkeit bildet.»18 Die Reihe solcher Zitate aus der Liechten- stein-Literatur, die versuchen den sog. Volkscharakter zu erfassen, könnte bis zur Gegenwart fortgesetzt werden, wo Liechtenstein den einen als «Tal des Friedens»,19 den anderen als internationales Zentrum für sämtliche Arten zwielichtiger und krimineller Geschäfte erscheint. — Es sei deshalb davon abgesehen, in dieser Arbeit einen weiteren mehr oder weniger untauglichen Versuch in dieser Richtung zu machen. b) Siedlung Mit Ausnahme von Schellenberg hat kein liechtensteinisches Dorf einen deutschen Namen. Die Benennung muss also vor der Germani- sierung des Landes erfolgt sein, teils in vorrömischer teils in römischer Zeit: ein weiterer Hinweis auf Liechtenstein als altes Siedlungsgebiet. Die Siedlungen sind wegen des versumpften Talbodens in erhöhten Lagen, am Saum der Berghänge, auf Terrassen oder auf kleineren Er- hebungen entstanden. Nur Ruggell liegt in der freien Rheinebene. Die Dörfer lassen sich in ihrer Anlage nicht in starre Typen ein- ordnen.20 Hauptform ist das lockere Haufendorf, je nach lokalen geo- graphischen Voraussetzungen etwas gewandelt. Eine den Walserkolo- nien eigene, in einzelne Häusergruppen aufgelöste Siedlungsform, fin- det sich in Triesenberg. Die alten Siedlungsformen in Liechtenstein sind heute wegen der öffentlichen und privaten Bautätigkeit der jüng- sten Zeit, die das Landschaftsbild stark umgestaltete, kaum mehr zu erkennen.21 — Für das Liechtensteinische Haus, wie es zu Beginn des 19. Jahrhunderts allgemein anzutreffen war,22 lässt sich kaum mehr ein anschauliches Beispiel finden. «Es ist ein Holzhaus in Kreuzstrich auf gemauertem Sockel, der in seinem Grundriss einem einheitlichen Schema folgt, wie es auch dem Rheintaler Haus eigen ist. An der Front ist die Stube und Nebenstube angeordnet, dahinter liegt — in der pri- mitiveren Gestaltung — nur die Küche, in die von der Traufseite her 18 Otto Schallen, Landeskunde von Liechtenstein, Diss. Innsbruck 1935, S. 144 f. 19 Barbara Greene, Liechtenstein - Tal des Friedens, Vaduz 1948 ('21967). 20 Betr. Dorf- und Hausformen siehe: Erwin Poeschel, Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein, Basel 1950, S. 16. 21 Es wäre sehr lohnend, die Wandlung der siedlungsgeographischen Ver- hältnisse in Liechtenstein im 19. und 20. Jahrhundert in einer eigenen Untersuchung darzustellen. — Vgl. Gerhard Wanner, Die Wandlung sied- lungs- und bevölkerungsgeographischer Verhältnisse in der Gemeinde Feldkirch im 19. und 20. Jahrhundert. In: Montfort, 19. Jg. (1967), Heft 2, S. 106 - 139, und Heft 3, S. 149 - 176. 22 LRA AR, ad Nr. 42, Fasz. 41. Steuerfassionen der Gemeinde Schaan (1808). Wie aus diesen Steuererklärungen ersichtlich ist, stehen in Schaan in der Mehrzahl noch Holzhäuser mit von Steinen beschwerten Schindeldächern Gemauerte Häuser mit Ziegeldächern werden besonders erwähnt. 43
        

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