unbedeutender Volkszuschub erfolgte im 13. Jahrhundert mit der Ein- wanderung der ebenfalls germanischen Walser, die vermutlich auf Ver- anlassung der damaligen Landesherren zustande kam.14 Damit war die Besiedlung unseres Landes durch Zuwanderung im wesentlichen abge- schlossen. Grössere Veränderungen brachte erst wieder das 19. Jahr- hundert mit seinen starken Wanderbewegungen. Wie problematisch und fragwürdig es ist, den Charakter eines Volkes beschreiben zu wollen, sollen die wiedersprüchlichen Ansichten ver- schiedener Autoren deutlich machen. Der schon öfters zitierte Gewährs- mann Landvogt Josef Schuppler beschreibt den Liechtensteiner so: «An eine Lebensweise gewohnt, bei der das Hirtenleben ihm anlokender als der beschwerliche Bergbau ist, sucht der Liechtensteiner sein Glück, in zügelloser Freyheit, fröhlichem Müssiggange, und in der Befriedung aller seiner Leidenschaften, wenn dies gleich dem Nächsten und dem Staate schädlich ist. In seinem Charakter ist er sinnlich, falsch, eigen- nützig, streit- und zanksüchtig, in seinem eigenen Familienkreis sowohl, wie auch ausser demselben unverträglich, unsittlich, unmässig in Speiss und Trank, wie lange seine Vorräthe dauern, unbesorgt für die Zu- kunft, und unfähig, in seiner Haushaltung eine vernünftige Ordnung einzuführen. Sein äusseres ist schmutzig, abgeschmakt, ungeschickt, und bis zum Eckel schleppend, seine Handlungsweise träge, und alle seine Verrichtungen langsam.»16 — Andere Autoren bezeichnen die Liechtensteiner als «freundliches und gefälliges Völkchen»,16 «heiteren Sinnes, mit viel natürlichen Anlagen, arbeitsam, intelligent und für Bildung empfänglich».17 Schallert gibt nachstehende Beschreibung: «Der Volkscharakter der Liechtensteiner zeigt ein Übergewicht des Ver- standes über Gemütsempfindungen, was aber nicht besagen soll, es erfülle ihn kein starkes Heimatgefühl . . . Seine Gefühle äussert er nur schwer; er will seinen Wesenskern nicht gleich preisgeben. Das Über- wiegen des Verstandes gilt vor allem für das Berufsleben, hier zeigt er Geschäftsklugheit, Sparkamkeit und Fleiss im Betriebe. Neben diesen Eigenschaften ist der Reinlichkeitssinn der Liechtensteiner bekannt, man findet überall bestgepflegte Wohnräume, damit paart sich ein Ordnungssinn in allen Dingen, der die Grundlage für die kaufmänni- 14 Paul Zinsli, Walser Volkstum, Frauenfeld 1968, S. 36 f. siehe dazu auch: Johann Baptist Büchel, Einiges zur Walliserfrage, JBL 9 (1909), S. 100- 111. Derselbe, Die Einwanderung der Walliser, JBL 28 (1928), S. 121 - 136. Karl Ilg, Siedlungsgeschichte und Siedlungsformen der Walser, einschliess- lich des Montafons. In: Karl Ilg, Landes- und Volkskunde, Geschichte, Wirtschaft und Kunst Vorarlbergs, Bd. II, Innsbruck 1968, S. 107 - 150. 15 LBS, S. 44 f. 16 Friedrich Umlauft, Das Fürstentum Liechtenstein. Geographisch, historisch, touristisch geschildert, Wien 1891, S. 132. 17 David Rheinberger, Landeskunde des Fürstentums Liechtenstein, Buchs 21884, S. 5 42
        

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