Der «Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Kaiserthum Österreich für sich und zugleich in Vertretung des souverainen Fürsten- thums Liechtenstein und der Rebublik Liberia» vom 1. September 1866140 hatte keinerlei wirtschaftliche Bedeutung für das Fürstentum. Nicht viel anders verhielt es sich mit den internationalen Übereinkünf- ten über den Warentransport per Eisenbahn von 1890, 1898 und 1902.141 Direkten Einfluss auf die Wirtschaft in Liechtenstein übten hingegen die österreichischen Handelsverträge mit der Eidgenossenschaft aus. Der erste Vertrag kam am 20. Dezember 1868 zustande und beruhte auf dem Prinzip der Meistbegünstigung.142 Die zwischen Regierung und Landtag vereinbarten liechtensteinischen Wünsche wurden beim Ver- tragsabschluss möglichst berücksichtigt.143 So galt beispielsweise für österreichische Fassweine der niedrigste schweizerische Zolltarif.144 Eine Reihe von Produkten wurde vom Ein- und Ausfuhrzoll befreit.145 Im engeren Grenz verkehr (1 Meile von der Grenze) durfte Vieh zollfrei über die Grenze zur Weide getrieben werden. Die Bewirtschaftung von Agrarboden auf dem anderen Staatsgebiet wurde erleichtert. Ackerge- räte und -früchte durften zu diesem Zwecke zollfrei über die Grenze genommen werden. Der Personenverkehr auf den Rheinübergängen wurde erweitert. Erfreulich für das Gewerbe war die Bestimmung, dass Waren zur Verarbeitung (Veredlung) und darauffolgender Rückkehr zollfrei in das andere Staatsgebiet gebracht werden konnten.146 Nach 8 Jahren trat der Handelsvertrag von 1868 ausser Kraft. Bis 1888 herrschte ein keineswegs befriedigender vertragsloser Zustand mit provisorischen Regelungen.147 Am 23. November 1888 wurde ein neuer 140 LGBL Jg. 1867, Nr. 4. — Es ist dies der einzige österreichische Handelsver- trag mit einem Staat ausserhalb des deutschen Sprachraumes, in dem Liechtenstein erwähnt wird. In allen anderen Verträgen fehlt die Erwäh- nung des Fürstentums. Es sind dies die Handelsverträge mit Frankreich (1866, 1879, 1881, 1884), Grossbritannien (1865, 1869, 1876), Belgien (1867, 1891, 1906), Niederlande (1867), Spanien (1870, 1880), Portugal (1872), Italien (1867, 1878, 1887, 1891, 1906), Dänemark (1887), Schweden-Norwe- gen (1873), Rumänien (1875, 1893), Serbien (1881, 1892, 1910), Russland (1894, 1906), Griechenland (1887), Bulgarien (1896), Montenegro (1911), China (1869), Siam (1871), Sansibar (1887), Ägypten (1890), Korea (1892), Japan (1897, 1912) und Äthiopien (1905). - (RGBl. Jg. 1865 - 1912). 141 Raton P.: Liechtenstein. Staat und Geschichte, Vaduz 1969, S. 36. 142 «Handelsvertrag zwischen dem Kaiserthum Österreich und dem Fürsten- thum Liechtenstein einerseits, dann der schweizerischen Eidgenossenschaft andererseits.» Wien, 20. Dez. 1868. LGBl. Jg. 1869, Nr. 4. 143 Schädler, Landtag, JBL 1 (1901), S. 153 f. 144 Handelsvertrag vom 20. Dez. 1868, Art. 5. 145 a. a. O., Anlage A. 146 a. a. O. 147 Schädler, Landtag, JBL 3 (1903), S. 90 f. - Insbesondere für die Textil- industrie und das Stickereigewerbe war die Lage zeitweilig äusserst 
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