mit Österreich und auf einen Zollanschluss an die Schweiz hin.74 Als Gründe für diese Forderung führte man an, dass Östereich im Verhält- nis zu den Opfern von Seiten Liechtensteins eine zu kleine Entschädi- gung biete. Durch den Grenzzoll erleide das Land einen jährlichen Ver- lust von 18'000 fl infolge der eingetretenen Verteuerung verschiedener Waren durch den Grenzzoll. Diesem Verlust stünden lediglich 16'000 fl in Bankknoten entgegen, wovon noch Bau- und Unterhaltskosten für Zollgebäude abzuziehen seien. Eine Zolleinigung mit der Schweiz brächte bessere Exportmöglichkeiten für die Landwirtschaft. Der Zoll als indirekte Steuer belaste vor allem die Armen. Schliesslich wurde in den Bittschriften auf die Umwege im Verkehr mit der Schweiz, auf die Schikanen durch die österreichische Finanzwache, ja sogar auf die «Sitten- und Charakter-Verwandtschaft» mit den schweizerischen Nach- barn hingewiesen. Auch die vielen liechtensteinischen Saisonarbeiter in der Schweiz wurden erwähnt.73 Die Regierung war zur Vertragserneuerung, selbst unter ungünstige- ren Bedingungen bereit und stellte dem Landtag entsprechende An- träge.76 Dieser sah sich angesichts der Stimmung im Volk vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Der Landtag Hess sich aber nicht wie die 'Bevölkerung vom blossen Empfinden leiten, sondern befasste sich ein- gehend mit der Vertragsmaterie und bemühte sich um ein günstigeres Vertragswerk.77 Im Kommissionsbericht über die Erneuerung des Zoll- vertrages mit Österreich78 wurden die Nachteile der bisherigen Zoll- einigung beklagt, insbesondere der Einzug der Verzehrungssteuer durch ausländische Organe, die Verflechtung des Landes durch diese Steuer mit der Finanzwache bei Hausdurchsuchungen, die Verkehrssperre in der Landesmitte und die hohen österreichischen Zollsätze, die den Wirt- schaftsvekehr mit der benachbarten Schweiz hemmten. Dennoch sprach sich die Kommission für die Erneuerung des Vertrages aus, da sich ein Teil der ungünstigen Auswirkungen durch Modifikationen mildern oder beseitigen liesse und der andere Teil durch gebotene Vorteile mehr als aufgehoben werde. Für die Vertragserneuerung führte der Bericht eine Reihe von Gründen an: In IOV4 Jahren habe Liechtenstein bei 171/625 fl Zolleinnahmen und 22'972 fl Auslagen 148'653 fl Reineinnahmen ge- habt. Österreich habe für Liechtenstein einen Verlust von 50'004 fl ge- tragen, da es in dieser Zeit nur 121'620 fl zur Verteilung auf das Für- stentum eingenommen habe. Die Warenverteuerung durch den Zoll sei nicht übermässig hoch, und eine ganze Reihe von Artikeln seien billiger 74 Geiger, S. 337 - 340. 75 LRA Landtagsakten. L 5/1862/63. 29. Jan. 1863; von 201 Bürgern unter- zeichnet. 76 LRA Landtagsakten. L 5/1862/63. 28. Dez. 1862. Reg. an Landtag. 77 Geiger, S. 341. 78 LRA 1863/Nr. 925. Kommissionsbericht, o. D. (Februar 1863). 372
        

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