die Esche, deren Rheineinmündung erneut weiter nördlich verlegt wer- den sollte, war vorgesehen. Die alten Ausmündungsstellen der Binnen- gewässer sollten geschlossen werden. Ein eigener Kanal, über die Gren- ze hinaus verlängert und bei Bangs dem Rhein zugeführt, sollte die Ruggeller Ebene entwässern.126 Schon 1845 lag dem Oberamt ein neues Gutachten über die Entwässerungsvorkehrungen vor, verfasst vom Oberingenieurs des Kantons Graubünden, Richard Lanicca.127 All diese technischen Vorarbeiten waren offensichtlich dringend notwendig. Zwar waren schon etliche Entwässerungsarbeiten vorgenommen. Als aber 1846 der Rhein einmal mehr unbeschreiblichen Schaden im gan- zen Land angerichtet und viel Arbeit mit einem Schlage zunichte ge- macht hatte, bemerkte der Landesverweser mit einiger Skepsis: «Gross- artiges muss geschehen, wenn die Thaiesfläche der gänzlichen Ver- sumpfung noch zeitlich genug entrissen werden sollte !» Das Gross- artige geschah. In der Zeit von ca. 1850 bis in die Mitte der 60-er Jahre wurde unter grössten Anstrengungen die Entwässerung und Kultivie- rung des Bodens in Liechtenstein zu einem vorläufigen Abschluss ge- bracht.128 Die Balzner und Triesner Gewässer behielten eigene Mün- dungen in den Rhein, die Vaduzer und Schaaner Gewässer wurden durch in den Jahren 1860 —1864 ausgehobene Gräben zur Esche und in den Rhein geleitet. Der schon früher errichtete Hauptgraben war verbreitert und vertieft worden.129 Wesentlichen Anteil an diesem Werk hatte der württembergische Ingenieur Johann Jakob Kümmerle,130 der 126 Die Ruggeller Gewässer mündeten oberhalb der Landesgrenze in den Rhein; Ruggell litt deshalb sehr unter dem so entstehenden Rückstau. — Österreich gestattete 1838 unter gewissen Bedingungen, den Ruggeller Mühlegraben auf österr. Gebiet abzuleiten. Wegen Widerstands von Seiten der betroffenen österreichischen Gemeinden Bangs und Nofels, der 1852 im Prozesswege gebrochen wurde, kam diese Ableitung erst 1859 zu- stande. (Krapf, Geschichte des Rheins, S. 34, 90 und 95.) 127 LRA NR 24/2. Chur, 22. Jan. 1845 : «Gutachten über die zu treffenden Entsumpfungsvorkehrungen im Fürstenthum Liechtenstein.» 128 Vgl. LRA NR 93/1-8: Akten betr. Regulierung und Entsumpfung aller Tal- gebiete. — 1861 berichtet der Landesverweser von Hausen an den Fürsten, dass der Beginn der Vorarbeiten zur Landesvermessung bis 1863 hinaus- geschoben werden dürfte, weil bis dahin voraussichtlich die Entwässe- rung des Binnenlandes im ganzen Fürstentum beendigt sein würde. (HKW 1861/Nr. 6676. 6. Juni 1861. von Hausen an Fürst). 129 Krapf, Geschichte des Rheins, S. 96. 130 Ingenieur Kümmerle hatte 1849 am badischen Aufstand teilgenommen. Er musste daher seine Arbeit in Liechtenstein unterbrechen, um in Würt- temberg eine Kerkerstrafe zu verbüssen. Auf Verwendung der liechtenstei- nischen Gemeinden und des Fürsten konnte er nach einem halben Jahr 1855 bereits wieder zurückkehren und seine Arbeit bis 1860 fortsetzen. Infolge Streitigkeiten mit einzelnen Gemeinden musste Kümmerle schliesslich das Land 1861 arm und verbittert verlassen. (Geiger, S. 216 f., Anm. 2. LRA 101/95, Fasz. Kümmerle). LRA NR 24/2, Mai 1858: 
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