Der Landesausschuss, dem verfassungsgemäss die Wahrung der Inte- ressen des Landes zukam, solange der Landtag nicht versammelt war, begrüsste den Gesetzesentwurf der Regierung, der auf seine Initiative hin ausgearbeitet worden war.54 Weniger begeistert war man in Wien. Der Fürst lehnte auf Anraten der Hofkanzlei den Vorschlag zur Rege- lung des Münzwesens ab. Er begründete die Ablehnung damit, dass das Gesetz einem Bruch mit dem Zollvertrag gleichkäme, da es faktisch die Goldwährung einführe. Da aus der bestehenden Zollunion mit Österreich dem Staate jährlich 50 — 70'% der Einnahmen in Banknoten zukamen, hätte Liechtenstein neben der neuen gesetzlichen Landeswä- rung immer noch die alte Währung gehabt, und für zwei Währungen nebeneinander, meinte der Fürst, wäre das Land denn doch zu klein.55 — Auf diese Ablehnung hin schrieb der Landesverweser, dass der Ge- setzentwurf auf Initiative des Landesausschusses zustandegekommen sei, und dass der Landtag in dieser Angelegenheit sicher interpellieren werde. Eine Lösung des ganzen Problems sei dringend.56 — In Wien blieb man bei der ablehnenden Haltung und wies darauf hin, dass bei dem geringen Geldumlauf in Liechtenstein der Verlust aus der Silber- entwertung gar nicht so gross sei. Ausserdem erwartete man immer noch das Anheben der Silberpreise, wodurch die österreichische Wäh- rungskrise beseitigt gewesen wäre.57 — Die Regierung in Vaduz suchte weiterhin, die Bedenken des Fürsten und seiner Berater in Wien gegen den Gesetzesentwurf zu zerstreuen und bat, diesen dem Landtag zur verfassungsmässigen Behandlung vorlegen zu dürfen. Im Falle der wei- teren Ablehnung sollte der Fürst seine Haltung schriftlich darlegen und eigenhändig unterzeichnen, damit diese fürstliche Resolution dem Land- tag vorgelegt werden könne.58 Zwei private Stellungnahmen von hohen österreichischen Beamten unterstützten die Haltung der Regierung, in- dem sie belegten, dass Österreich seinerseits im Geldverkehr mit dem Auslande ähnliche Methoden vorsehe.59 All diesen Anstrengungen zum 54 LRA 1874/ad Nr. 725. 28. Mai 1874. Reg. an HKW. HKW H 1659. o Nr. 10. Mai 1874. Bericht des Landesausschusses. 55 LRA 1874/Nr. 725. 23. Mai 1874. HKW an Reg. 56 LRA 1874/ad Nr. 725. 28. Mai 1874. Reg. an HKW. 57 LRA 1874/Nr. 726. 9. Juni 1874. HKW an Reg. - Der Geldumlauf in Liech- tenstein wurde mit ca. 200'000 fl geschätzt. Die Hälfte davon war Silber- geld, der Rest bestand aus Gold, Papiergeld und Scheidemünzen. 58 HKW H 1659. Nr. 5451. 29. Juni 1874. Reg. an Fürst. 59 LRA 1874/ad Nr. 726. 9. Juli 1874. Reg. an Fürst, 22. Okt. 1874. Reg an k. k. Oberfinanzrat Vorhauser, Innsbruck. 25. Okt. 1874. Reg. an k. k. Mi- nisterialrat Baron Mayran, Wien. Vorhauser beantragte damals beim k. k. Finanzministerium, dass die Beamten der liechtensteinischen Zollämter wie die in Bayern und Sachsen exponierten Zollbediensteten ihre Löhne nicht mehr in Silberguldenstücken sondern in Vereinstalern erhielten. Der Antrag wurde mit der Entwertung der österreichischen Silbergulden begründet. (HKW H 1659. Nr. 6335. 2. Aug. 1874. Reg. an HKW). 303
        

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