Schätzung und wie bisher die' einzelnen am Gemeindenutzen teilneh- menden Haushaltungen zu tragen. Für Dammbauten hatte der inner- halb der Gemeindegrenzen gelegene und durch die Dämme geschützte Boden (Perimeter) aufzukommen.88 Der Binnendamm von der Benderer Brücke bis zur Ausmündung in den Rhein war auf Landeskosten zu erstellen und zu unterhalten. Nur bei grösserer Gefahr, vor allem bei Rheineinbrüchen, konnten auch die nicht wuhrpflichtigen Gemeinden, Mauren, Schellenberg, Planken und Triesenberg zur Hilfeleistung bei- gezogen werden.84 Das durch die Uferbauten gewonnene Land wurde zum Vermögen der Gemeindewuhrkassa gezählt, in die auch die Lan- desunterstützungen nach dem Verhältnis der jährlichen Baukosten flössen.85 Unter dem Eindruck der Hochwasser von 1868 begannen die schwei- zerischen Gemeinden 1872, unterstützt von Bund und Kanton, in be- schleunigtem Tempo Hochwuhren zu erstellen.86 Liechtenstein war ge- zwungen, sich mit beschränkten Mitteln vor den Folgen der raschen einseitigen Errichtung von Hochwuhren zu schützen. Dies geschah einerseits durch Verstärkung der bestehenden Binnendämme, anderer- seits ebenfalls durch allmähliches Erstellen von Hochwuhren, wie es die Finanzlage des Landes und der Gemeinden eben zuliess. Seit 1869 erhielten die Gemeinden vermehrte Subvention aus Landesmitteln, um der drohenden Gefahr zu begegnen.87 Der Fürst gewährte 1871 50000 fl und 1873 weitere 125 000 fl ö. W. zinslose Darlehen zur rascheren Aus- führung der Wuhrbauten.88 Die 1873 mit ca. 200000 fl ö. W. veran- 83 Art. 6 des Rheinwuhrgesetzes. 84 § 3 der zum Rheinwuhrgesetz gehörenden Instruktion. 85 Art. 8, 9 und 10 des Rheinwuhrgesetzes. 86 St. Gallen begründete dieses einseitige Vorgehen damit, dass in den Ver- trägen von 1837 keine Bestimmung betreffend die Höhe der Wuhrbauten enthalten sei. Dagegen berief sich Liechtenstein bei seinem Protest darauf, dass der ältere Rheinbaukorrektionsvertrag eindeutig auf das Doppelfluss- system hinweise, da dort der Abstand zwischen den eigentlichen Wuhr- bauten und den Binnendämmen festgelegt worden sei. (Krapf, Geschichte des Rheins, S. 60). 87 Gesetz über eine ausserordentliche Subvention aus Landesmitteln zum Zwecke der Durchführung einer allgemeinen Verstärkung des Rheinbinnen- dammes vom 15. Dezember 1869, LGB1. Jg. 1869, Nr. 11. - 1872 und 1873 wurde die Grundsteuer von sonst jährlich 5'000 fl auf lO'OOO fl RW er- höht, um den Gemeinden bei den Rheinschutzbauten vermehrt beistehen zu können. (LRA Rechnungsbücher). Dennoch ging die Beanspruchung der Kräfte der Rheingemeinden bis zum äussersten. Einer Petition um zusätz- liche staatliche Hilfe konnte wegen der enormen Belastung der Landes- kasse und der allgemeinen Wirtschaftskrise nicht entsprochen werden, (vgl. Schädler, Landtag, JBL 3 (1903), S. 45 f.). 88 «Gesetz über die projektirten Rheinschutzbauten» vom 30. Okt. 1871. LGB1. Jg. 1871, Nr. 6. («Gesetz betreffend die RückZahlungsbedingungen des zu Rheinbauzwecken bestimmten Darlehens pr. 175'000 fl» vom 2. Febr. 1873. LGB1. Jg. 1873, Nr. 3. 29
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.