Schon während der ersten Jahrhunderthälfte hatte sich die Obrigkeit wiederholt vergeblich bemüht, die Spinnerei und Weberei als Gewerbe im Lande einzuführen.175 Spinnen und Weben blieben auf den Haus- gebrauch beschränkt. Flachs, Hanf und Schafwolle wurden in vielen Haushaltungen für den eigenen Bedarf verarbeitet.176 Seit den 50-er Jahren begannen immer wieder Einzelne, Textilgewerbe zu betreiben. Es blieb aber bei mehr oder weniger lang andauernden Versuchen. 1854 befasste sich ein Vorarlberger mit der Errichtung einer «hand- werksmässigen» Baumwollweberei, zog aber unverrichteter Dinge «wegen Verdienstlosigkeit» wieder weg.177 1855 errichtete Jakob Qua- derer in Vaduz eine Wollkarterei und eine kleine Baumwollspinnerei.178 Von 1866 bis anfangs der 70-er Jahre wurde in Triesen eine Färberei betrieben.179 Ebenfalls in Triesen arbeitete für kurze Zeit (1868 — 1874) eine Wollkarterei.180 Vereinzelt und nur vorübergehend gab es in Liechtenstein auch Weber, Seidenweberinnen und Stricker als Gewerbe- treibende.181 Holzverarbeitungsgewerbe Die Anzahl der Gewerbetreibenden, die sich mit der Verarbeitung von Holz beschäftigten, blieb während der zweiten Jahrhunderthälfte 175 Artikel 5 der Dienstinstruktionen vom 7. Oktober 1808 verlangte vom Landvogt, dass er die Untertanen zum Gewerbe, insbesondere aber zur Weberei und Spinnerei anhalte. (LRA SR G 1. 7. Okt. 1808. Dienstinstruk- tionen) 1847 hatte Landvogt Menzinger den Plan, in Schaan im Gemeinde- haus eine Spinnschule einzurichten. (LRA NR 87/44. 29. Aug. 1847. Men- zinger an Inspektor Mayer). 176 1815 schreibt Landvogt Schuppler: «Aus dem zu Hause gesponnenen Garn webt das Weibervolk Leinwand und Trillich, von grober Schafwolle auch eine Art groben Tuchs, woraus gewöhnlich für alle Hausleute Kleidungs- stücke ververtigt werden.» (LRA LBS, S. 46). 177 LRA NR 104/121. 1854. Mehrere Akten betr. Xaver Bosch, Webermeister aus Lustenau. 178 LRA NR 104/244. 1855. Mehrere Akten betr. Jakob Quaderer, Vaduz. Qua- derer stellte zwei Feinspinnstühle mit 432 Spindeln auf. Wie lange er sein Gewerbe betrieb, ist aus den Akten nicht ersichtlich. In der ersten Ge- werbszählung von 1861 ist sein Name nicht mehr zu finden. 179 1866 errichtete Alois Banzer eine Färberei in Triesen. (LRA 1866/Nr. 333. Baubewilligung). Dieser Betrieb samt einer «Kunstweberei» erscheint zu- letzt im Gewerbesteuerkataster von 1872/74. 1875 wurde diese Woll- karterei (Haus Nr. 9) durch Andreas Nutt in eine Mühle umgebaut. (LRA 1875/Nr. 229. Baubewilligung). Schon 1856 hatte in Balzers Johann Georg Brunhart in Balzers den Bau einer Färberei geplant. (LRA NR 105/166. 1856. Mehrere Akten. 180 LRA Gewerbesteuerkataster 1872/74. - Wollkarterei des Franz Risch, Triesen. 181 Vgl. Anhang Nr. 66, S. 208 f. 253
        

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