Betrieb war neben dem Sticker noch eine Hilfsarbeiferin, die sog. «Fäd- lerin» erforderlich. Sie fädelte das Garn ein, setzte die Nadeln ein und schnitt die Fadenenden ab. — Die Schifflistickmaschine glich der Hand- stickmaschine, war aber grösser und wurde mit Motorenkraft betrieben. Ihr Betrieb verlangte neben dem Sticker zwei Hilfskräfte. Bei der Stickerei ergaben sich mehrere Arten von Hilfsarbeiten. Durch das sog. «Nachsticken» wurden kleine Fehler verbessert. Die «Scherlerin» beseitigte die Verbindungsfäden des Stickereibildes auf der Rückseite, und die Ausschneiderin schnitt gewisse Stoffteile von der Stickerei. Die «Motivnäherin» reihte verschiedene Teilstücke einer Stickerei zu einem Ganzen,158 während die «Ausrüsterin» die Glättung und Verpackung der fertigen, gebleichten Produkte besorgte. Mehrere Personen gruppen waren an der Stickerei beteiligt. Der Kaufmann und Exporteur hatte entweder eigene Produktionsstätten, oder er gab die bestellte Ware in fremde Produktion. Die Stickböden mit Karton wurden einem Fabrikanten (Stickereifabrik) oder einem Fergger übergeben. Der Fergger als Zwischenunternehmer übernahm einen Posten Ware mit der Verpflichtung zur Ablieferung auf einen bestimmten Termin und zu bestimmten Bedingungen. Die Ware Hess er im Stichlohn durch den Einzelsticker anfertigen. Die Hilfskräfte wur- den vom Einzelsticker angestellt. Unter diesen an der Stickerei beteilig- ten Personen waren ganz verschieden gelagerte Stellungsverhältnisse möglich. Das Stickereigewerbe in Liechtenstein war völlig abhängig von der ostschweizerischen Stickerei. Deren wirtschaftliche Stellung und die Lage auf dem Weltmarkt bestimmten das Geschick der liechtensteini- schen Sticker.158a — Die feine Handstickerei hatte sich seit den 30-er Jahren rasch ausgebreitet und in der ersten Hälfte der 50-er Jahre ihren Höhepunkt erreicht. Ausländische Konkurrenz, besonders aber das amerikanische Krisenjahr 1857 versetzten ihr einen furchtbaren Schlag, von dem sie sich nicht mehr erholte.159 In Liechtenstein hörte die Hand- stickerei auf zu bestehen, während sie in der Schweiz zu einem guten Teile gerade rechtzeitig durch die Maschinenstickerei im Plattstich er- setzt wurde. Diese erlebte nach dem nordamerikanischen Bürgerkrieg ihren ersten grossen Aufschwung, der sich, unter ausserordentlich star- ken Konjunkturschwankungen allerdings, bis zum Ersten Weltkrieg fortsetzte.160 158 Bei den zwischen 1866 und 1894 in den Gewerbekatastern aufscheinenden Näherinnen handelt es sich offensichtlich um solche Motivnäherinnen. — Vgl. Anhang Nr. 66, S. 208 f. 158a Betr. ostschweizerische Stickereiindustrie vgl. Steinmann; Adolf Jenny, Die schweizerische Baumwollindustrie, Bern 1909, S. 36 — 70. 159 Bodmer, Industriegeschichte, S. 36 f. 160 a. a. O., S. 362. — In Liechtenstein stand in den 60-er Jahren eine einzige Stickmaschine! (Vgl. Anhang Nr. 66, S. 208 f.). 249
        

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