Zuchtveredlung hatten zu dieser erfreulichen Entwicklung auf dem Preissektor geführt. Die zunehmend bessere Ertragslage in Milchwirt- schaft und Viehzucht Hessen den Rindviehbestand 1911 auf eine bisher nie erreichte Grösse anwachsen.300 Gleichzeitig mit dem wachsenden Viehbestand nahm auch die Nachfrage nach Futter zu, und die Preise für Heu und Stroh stiegen von 1835 bis 1885 auf das Doppelte an.301 Die Produktion der liechtensteinischen Landwirtschaft richtete sich während des ganzen 19. Jahrhunderts nach der Preisgestaltung bei den verschiedenen Erzeugnissen. Stetig steigende Viehpreise stellten den Schwerpunkt der einheimischen Landwirtschaft nie in Frage. Lediglich aus der besonderen handels- und zollpolitischen Lage des Landes er- wachsende Absatzschwierigkeiten und zeitweilige Futterknappheit be- einträchtigten vorübergehend seine Viehzucht.302 Der vor allem im letz- ten Drittel des 19. Jahrhunderts stark wachsende Bedarf an Milchpro- dukten und Fleisch und die stetige Preissteigerung auf diesem Sektor begünstigten die Rindviehhaltung zusätzlich. Aber auch die Schweine- zucht profitierte von den steigenden Fleischpreisen. Etwas ungünstiger verlief die Entwicklung im Ackerbau. Die wäh- rend des ganzen 19. Jahrhunderts stationär gebliebenen Getreidepreise — wegen der Geldentwertung kann man gar von einer rückläufigen Tendenz sprechen — Hessen die Anbauflächen für Getreide zusam- menschrumpfen. Lediglich der Maisanbau nahm zu. Dies aber nicht wegen der Maispreise, die dieselbe Entwicklung wie die übrigen Ge- treidesorten mitmachten, sondern wegen des äusserst hohen Ernteer- trages beim Mais. — Die Kartoffelpreise erfuhren zwar während des 19. Jahrhunderts eine erhebliche Steigerung. Aber nicht in erster Linie wegen der günstigen Preisentwicklung bestimmten die Kartoffelkulturen zusammen mit Maiskulturen den liechtensteinischen Ackerbau. Mais und Kartoffeln bildeten die Grundnahrungsmittel der Iiechtensteini- 300 Vgl. Anhang Nr. 55, S. 160 - 162. 301 Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert bewegten sich die Stroh- preise in Liechtenstein zwischen 16 und 30 kr RW pro Zentner. Für Vor- arlberg ergab sich folgende Preisentwicklung im 19. Jahrhundert: (Wer- kowitsch, S. 86 f.). Stroh Heu, beste Qualität 1824 27 kr 54 ku 1835 42 kr 2 fl 40 kr 1860 1 fl 80 kr 3 fl 60 kr 1874 1 fl 25 kr 4 fl 30 kr 1885 2 fl 40 kr 4 fl 80 kr (Preise für 100 kg in fl ö. W.) 302 Abgesehen von den früheren Missernten und Fehljahren herrschte in Liechtenstein 1893 und 1913 ein ausgesprochener Futternotstand, der je- weils durch Futterkäufe aus Landesmitteln behoben werden konnte. (MLV, Nr. 11. Nov. 1893. MLV, Heft 4, Dez. 1913, S. 74 f.). 213
        

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