abkommen von 1890.263 War bis 1890 der grösste Teil des liechtensteini- schen Viehexportes in die Schweiz gegangen, so kam dieses Land künf- tig als Absatzgebiet nicht mehr in Frage. Die Viehexporte in die Schweiz hörten praktisch auf.264 Daran änderte auch der neue Handelsvertrag zwischen Österreich und der Schweiz vom 9. März 1906 nichts.265 Mit dem Vertrag war ein Viehseuchenübereinkommen verbunden, das dem verhängnisvollen Seuchenabkommen von 1890 inhaltlich gleichkam. Liechtenstein musste den Staatsvertrag von 1906 ratifizieren, wollte es nicht den lebenswichtigen Zollverband mit Österreich auflösen. So wählte man unter zwei Übeln das kleinere.2ß(i Es war beim Abschluss des Handelsvertrages von 1906 offensichtlich geworden, dass die Inte- ressen der Grenzländer Vorarlberg und Liechtenstein zugunsten der Schlachtviehausfuhr aus Ungarn preisgegeben worden waren. Die Schweiz konnte unbehindert Nutzvieh nach Österreich exportieren, während Liechtenstein die Einfuhr von Nutzvieh in die Schweiz so gut wie verschlossen blieb. Schlachtvieh hatte Liechtenstein sozusagen kei- nes zu exportieren.267 Durch gemeinsame Anstregungen der Landwirte und des Landes ge- lang es, seit 1891 in Österreich und Deutschland ein neues Absatzgebiet zu finden. Die Zuchtveredlung wurde mit staatlicher Hilfe vorangetrie- ben und die schönsten Zuchtergebnisse auf gut organisierten Schau- viehmärkten den Händlern gezeigt.268 Die ernsthafte Krise in der ein- heimischen Viehzucht konnte behoben werden. Schon früh war in Liechtenstein versucht worden, die landwirtschaft- lichen Produkte auf Märkten zu verkaufen. Die Polizeiordnung von 1732 spricht von zwei Wochen-Viehmärkten in Liechtenstein, wovon der eine zu Rotenberg vom ersten Mai bis Johanni, der andere in Va- duz vom Gallus-Tag bis Johanni gehalten worden sei. Da der Markt zu Rofenberg eingegangen war, und dem Viehmarkt das gleiche Schicksal drohte, befahl die Polizeiordnung die Wiedererrichtung der beiden Märkte. Kein Stück Vieh sollte anderwärts verkauft werden, bevor es nicht auf den einheimischen Markt getrieben worden war.269a Trotz dieser Vorschrift gingen beide Märkte schon bald wieder ein. 1749 263 Schädler, Landtag, JBL 4 (1904), S. 27. 264 Vgl. Anhang Nr. 62, S. 175 f. 265 «Handelsvertrag und Viehseuchenübereinkommen zwischen Österreich- Ungarn (gleichzeitig in Vertretung des Fürstenthumes Liechtenstein) einer- seits und der Schweiz andererseits.» Wien, 9. März 1906. — LGBL Jg. 1906, Nr. 8. - Vgl. dazu, Schädler, Landtag, JBL 12 (1912), S. 36-38. 266 Schädler, Landtag, JBL 12 (1912), S. 38. 267 MLV, Nr. 7. Juli 1892, S. 49 - 52. - MLV, Nr. 9. September 1892, S. 65 - 67. 268 MLV, Jg. 21 (1911), S. 31. - MLV, Nr. 9. September 1893, S. 65 f. - Vgl. auch Anhang Nr. 62, S. 175 f. 269a «Polizey- und Landts-Ordnung dess Reichs-Fürstenthums Liechtenstein», 2. Sept. 1732. (LRA NS 1732). 206
        

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