sehen Österreich-Ungarn und der Schweiz vom 5. Dezember 1890 ge- stürzt.236 Schon immer hatten Viehseuchen und die in deren Gefolge verhäng- ten Grenzsperren eine empfindliche Beinträchtigung des Viehhandels dargestellt. Hatten früher die Staaten ihre Massnahmen zur Seuchen- bekämpfung allein und ohne Absprache mit ihren Nachbarn ergriffen, so regelte das am 31. März 1883 in Bern abgeschlossene Übereinkom- men zwischen der Schweiz, Österreich und Liechtenstein zur Verhin- derung der Ausbreitung von Tierseuchen237 die gegenseitige Anzeige- pflicht beim Auftreten von Seuchen, die Desinfektion der Transport- mittel und den Weideverkehr an der Grenze. — Durch die neue Vieh- seuchenkonvention vom 5. Dezember 1890 wurden aber die Bestim- mungen über die Zulässigkeit von Grenzsperren derart erweitert, dass es der Schweiz möglich wurde, die Konvention handelspolitisch auszu- nutzen und die Einfuhr von Nutzvieh aus Vorarlberg und Liechtenstein durch Grenzsperren zu unterbinden.238 Die Schweizergrenze war für den liechtensteinischen Viehabsatz fortan fast völlig gesperrt.259 Die Regierung versuchte ohne Erfolg, von der Schweiz besondere Erleichte- rungen im Viehverkehr zu erwirken. Als der am 10. Dezember 1891 abgeschlossene schweizerisch-österreichische Handelsvertrag im liech- tensteinischen Landtag verhandelt und schliesslich angenommen wur- de, erhielt die Regierung gleichzeitig den Auftrag, die Viehseuchen- konvention zu kündigen. Die Kündigung wurde tatsächlich vollzogen und trat ab 1. März 1893 in Kraft.260 Seit dieser Zeit versuchte Liechten- stein ohne Erfolg, mit der Schweiz ein seuchenpolizeiliches Separat- abkommen abzuschliessen. Die Schweiz hatte aber kein Interesse an einer erleichterten Einfuhr von Nutzvieh aus Liechtenstein, und die damalige Futterknappheit bestärkte sie noch in dieser Haltung.261 Die Einfuhr von billigem ungarischem Schlachtvieh war für die Schweiz durch den österreichisch-schweizerischen Handelsvertrag von 1891 gün- stig geregelt.262 Dieser Vertrag brachte erhöhte Zolltarife für die Nutz- vieheinfuhr nach der Schweiz, was sich aber längst nicht so schlimm für den liechtensteinischen Viehexport auswirkte, wie das Viehseuchen- 256 «Übereinkommen zwischen Österreich-Ungarn (gleichzeitig in Vertretung des Fürstenthums Liechtenstein) einerseits und der Schweiz andererseits behufs Verhinderung der Ausbreitung von Thierseuchen durch den Vieh- verkehr.» Wien, 5. Dez. 1890, LGBL Jg. 1891, Nr. 2. 257 LGBL Jg. 1883, Nr. 2. - Vgl. Schädler, Landtag, JBL 4 (1904), S. 64. 258 Schädler, Landtag, JBL 4 (1904), S. 20. 259 Vgl. Anhang Nr. 62, S. 175 f. 260 Schädler, Landtag, JBL 4 (1904), S. 22 261 a. a. O., S. 23 f. 262 «Handelsvertrag zwischen Österreich-Ungarn (gleichzeitig in Vertretung des Fürstenthumes Liechtenstein) einerseits und der Schweiz andererseits.» Wien, 20. Dezember 1891. LGBL Jg. 1892, Nr. 1. 205
        

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