In den Alpen der Talgemeinden wurde gemeinsame Alpwirtschaft betrieben. Die Gemeindebürger, bzw. die Alpgenossen, unterhielten das Alppersonal, bestehend aus dem Senn, einem oder mehreren Zusennen, Kühern (Melker und Hüter), Mistern und Hüterbuben. Insgesamt waren in der liechtensteinischen Alpwirtschaft rund 80 Personen beschäftigt. Das Alppersonal unterstand der Aufsicht der von den Alpbesitzern ge- wählten sog. Alpvögte. Die erzeugten Milchprodukte wurden nach der Milchlieferung jedes Einzelnen verteilt.233 Im Gegensatz zu den Talgemeinden kannten die Walser am Triesen- berg das System der Privatkorporationsalpen mit Einzelsennerei.234 Zwar waren schon 1562 die Privatalpen zu Gemeindealpen zusammen- gelegt worden, die alte Einzelbewirtschaftung blieb aber bis 1888 be- stehen. Jeder Bauer besorgte sein Vieh nicht nur auf den Maiensässen, die Privatkorporation geblieben waren, sondern auch auf den Hoch- alpen selbst. Er war sein eigener Hirt und sein eigener Senn. Diese Wirtschaftsweise erforderte eine grosse Zahl von Alpgebäuden und einen enormen Aufwand an Personal und Zeit.235 Täglich musste jeder Bauer zweimal einen bis zu drei Stunden langen Weg vom Heimgut in die Alpen machen, um Milch und Molken heimzubefördern und die Heuarbeit in den Heugütern zu besorgen. Schon seit 1865 bemühte sich die Regierung, die Triesenberger von der Einzelwirtschaft abzubringen und zum gemeinsamen Alpbetrieb zu veranlassen.236 Aber erst nach- dem der Fürst beim Verkauf der Alpe Sücka an die Gemeinde Triesen- berg (1887) die Bedingung gestellt hatte, dass sie die Einzelwirtschaft aufgäben, trat der gewünschte Erfolg ein.237 Über die Veränderung in der Anzahl und der Zusammensetzung des 233 a. a. O., S. 
91 f. 234 Vgl. dazu: Klenze, S. 108-122. David Beck, Alpwirtschaft und Alpbrauch in Liechtenstein. In: Schweizer Volkskunde Jg. 45 (1955), S. 33-36. Der- selbe, Die Alprechtshölzer oder Beigla der Alpgenossenschaft Großsteg in der Gemeinde Triesenberg, JBL 42 (1942), S. 55 - 72. 235 1878 zählte man auf den Triesenberger Alpen 252 Alpgebäude. Bei einer gemeinsamen Bewirtschaftung hätte der zehnte Teil genügt. (Klenze, S. 121 f.). 236 LRA 1865/Nr. 449. 29. April 1865. - Verfügung der Regierung zur Einfü- rung der gemeinsamen Wirtschaft auf den Alpen der Gemeinde Triesen- berg. — Gegen diese Regierungsverfügung ergriff die Gemeinde Triesen- berg am 9. Mai 1865 Rekurs. (LRA 1865/Nr. 476. 29. Mai 1865. Bericht der Regierung über den Rekurs der Gemeinde Triesenberg). Obwohl die Re- gierung von der Hofkanzlei volle Entscheidungsfreiheit in dieser Ange- legenheit erhielt (LRA 1865/Nr. 593. 11. Juni 1865. HKW an Reg.), nahm sie in der Folge von der Durchführung der erlassenen Verfügung Abstand. 237 Der Beschluss zur Aufgabe der Einzelbewirtschaftung wurde an der Ge- meindeversammlung vom 16. Dezember 1886 gefasst. — («Liechtensteiner Volksblatt», Nr. 1, 1. Jan. 1887. - Vgl. Schädler, Landtag, JBL 1 (1901), S. 85-87). 201
        

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