Sie ist das Hauptmerkmal der nebenberuflich betriebenen Landwirt- schaft. Das zeigt sich auch in der Entwicklung des Ziegenbestandes in Liechtenstein, der 1861 kurz vor der einsetzenden Industrialisierung einen ersten Höchststand erreichte, dann als Folge der verbesserten all- gemeinen Erwerbslage 1868 auf einen ersten Tiefstand sank und in der •Krisenzeit der 70-er und 80-er Jahre erneut anstieg, um schliesslich während des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs seit etwa 1890 bis zum Ersten Weltkrieg stetig zusammenzuschrumpfen.175 Übrige Zweige der Tierhaltung Geflügelhaltung176 wurde in Liechtenstein während des 19. Jahr- hunderts immer als willkommener Nebenerwerb angesehen. Rationelle, auf Rendite ausgerichtete Geflügelhaltung gab es nicht. Dem Geflügel wurde keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Fachmännisch ge- führte Zucht war unbekannt. Dementsprechend schlecht war auch der Ertrag. Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Betriebszweigen wurden in der Geflügelhaltung des Landes keine Anstrengungen zur Verbesserung und zu neuzeitlicher Betriebsführung unternommen. Besser verlief die Entwicklung der Bienenzucht, die wesentliche Vor- aussetzung für den rege betriebenen Obstbau war. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stand die Bienenzucht in Blüte.177 Zeid- ler (Honigsammler) aus der Schweiz kauften den liechtensteinischen Honig. Bis 1852 verwendete man nur kleine Strohkörbe mit Un- tersatzringen zur Bienenzucht (Korbbienenzucht). Die im 18. Jahrhun- dert erfundenen mobilen Bienenkästen (Magazinbienenstöcke) führte der Pionier der einheimischen Bienenzucht, Pfarrer Simon Balzer, ein.178 Pfarrer Balzer war 1840 nach Liechtenstein gekommen und arbeitete bis zu seinem Tode (1887) in mehreren Pfarreien.179 Balzer befasste sich eingehend mit Bienenzucht und stand in ständigem Brief- wechsel mit dem Entdecker der Parthenogenese bei den Bienen, dem schlesischen Pfarrherrn, Johannes Dzierzon (1811 —-1901).180 1857 von 175 Vgl. Anhang Nr. 59, S. 165 f. 176 Vgl. dazu: H. Hoch, Geflügelwirtschaft. In: Liechtensteinische Landes- ausstellung Vaduz 1934 (Katalog), S. 73 - 76. 177 Fridolin Nutt, Geschichte der Bienenzucht in Liechtenstein. In: Liechten- steinische Landes-Ausstellung Vaduz 1934 (Katalog), S. 79. — Die Bienen- zucht wurde nur von besser bemittelten Leuten betrieben. Den Ärmeren «war die Vorauslage (von Geld) unerschwinglich.» — LRA LBS, S. 35. 178 Pfarrer Balzer konstruierte nach Vorbildern einen eigenen Bienenkasten, der in der benachbarten Schweiz und in Vorarlberg als «Balzerkasten» bekannt wurde, (a. a. O., S. 81). 179 1840-43 in Bendern, 1843-62 in Triesenberg, 1862-64 in Schaan und 1864 - 1887 in Triesen. (a. a. O., S. 81). 180 Fridolin Nutt, Die Biene als Förderin des Obstertrages. In: Liechtensteini- sche Landes-Ausstellung Vaduz 1934 (Katalog), S. 64. — Vgl. auch: Haus- hofer, dt. Landwirtschaft, S. 101. 191
        

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