Schweinehaltung Im beginnenden 19. Jahrhundert war die Schweinehaltung in eine Krise geraten.162 Bis anhin wurden die Schweine in erster Linie auf der Weide gehalten. Mit Ende der Vegetationszeit schlachteten die Bauern die meisten Schweine und behielten nur die zur Zucht unbedingt not- wendigen Tiere zurück, die über den Winter mit Haus- und Wirtschafts- abfällen gefüttert wurden. Gehalten wurden Landschweinrassen, die deutlich ihre Abstammung vom europäischen Wildschwein zeigten.163 Mit der Verteilung der Gemeindeweiden und der Einschränkung der verschiedenen Triebrechte verloren die Weideschweine ihre Futter- grundlage. Der Übergang zur Stallfütterung konnte aber nicht ohne Schwierigkeiten vollzogen werden, da die Fütterung mit Körnern und anderen Ackerprodukten zu kostspielig war. Schweinehaltung rentierte zunächst nicht mehr.164 Die Lage verbesserte sich erst entscheidend, als die Kartoffeln nicht mehr nur zur Ergänzung der menschlichen Ernäh- rung, sondern auch als Viehfutter zur Verfügung standen. Diese Ver- besserung der Futterbasis erforderte nun einen anderen Schweinetyp, der die Eigenschaft der Frühreife hatte und für eine intensive Haltung geeignet war. Wie in Deutschland schon früher,165 bediente sich auch die liechtensteinische Landwirtschaft zur Veredlung der Landschwein- rasse englischen Zuchtmaterials. Diese Kreuzungsversuche setzten aller- dings erst spät ein. Während man im Unterland immer schon intensive Schweinenach- zucht betrieben hatte, war der Bauer im Oberland gewohnt, seinen Bedarf an jungen Schweinen grösstenteils von den Schweinemärkten in Feldkirch zu beziehen.166 Als in den 80-er Jahren grössere Importe junger Schweine aus dem Inneren Österreichs auch in Liechtenstein abgesetzt wurden, änderte sich dieser Zustand. Die importierten Schweine waren billig und viel schneller schlachtfähig als das her- kömmliche Landschwein.167 Der Schweineimport aus Österreich dräng- te die einheimische Nachzucht zurück und brachte verschiedene an- steckende Schweinekrankheiten ins Land.168 Aus dem letzteren Grund verbot man in Vorarlberg schliesslich die Einfuhr, während man sich 162 Das beweist auch der niedrige Schweinebestand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. - Vgl. Anhang Nr. 57, S. 164. 163 MLV, Jg. 21 (1911), S. 34; Haushofer, dt. Landwirtschaft, S. 96. 164 LRA LBS, S. 33. — Der Ackerbau reichte ja nicht einmal zur Ernährung der Bevölkerung aus. 165 In Deutschland wurden in der ersten Jahrhunderthälfte chinesische und englische Schweine eingeführt und mit dem einheimischen Landschwein gekreuzt. (Haushofer, dt. Landwirtschaft, S. 97). 166 MLV, Jg. 21 (1911), S. 34. 167 a. a. O. 168 MLV, Nr. 8, August 1898: Die Schweinezucht in Liechtenstein. 189
        

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