zum Schutze der Weinkulturen wurden durch Verordnung vom 9. Juli 1894 Baumbepflanzungen in Weingärten und deren unmittelbarer Nähe verboten.77 All diese Anstrengungen konnten es aber nicht verhindern, dass der Weinbau in Liechtenstein, besonders im Unterland, immer weiter zurückging und nie mehr den Stand von 1871 erreichte.78 Von jeher wurden im Lande neben Wein- auch Obstkulturen gehegt.79 Aber auch hier fehlte es den Bauern an den nötigen Kenntnissen, um genügend gutes und exportfähiges Obst zu erzeugen.80 Die Regierung erkannte die sich im Obstbau bietenden Möglichkeiten für die heimi- sche Landwirtschaft und leistete seit 1860 gezielte Förderungsarbeit. 1860 wurde der Oberlehrer Hinger auf Landeskosten nach Reutlingen gesandt, um dort einen Lehrkurs für Baumzüchter zu besuchen.81 Im folgenden Jahre hielt Hinger auf Anordnung der Regierung in Vaduz für die Lehrer des Landes einen acht Tage dauernden Unterrichtskurs ab. Gleichzeitig wurden die Gemeinden angehalten, gemeindeeigene Baumschulen anzulegen.83 Schon die Landwirtschaftliche Ausstellung von 1863 zeigte die ersten Fortschritte, war doch rege Teilnahme von Obstzüchtern zu verzeichnen, die eine grosse Anzahl verschiedener Obstsorten zeigten.84 1865 waren in fast allen Gemeinden Obstbaum- schulen errichtet, und für die älteren Schüler war der Unterricht in Vieh- und Obstbaumzucht eingeführt worden.83 Auch um den Obstbau erwarb sich der Landwirtschaftliche Verein seine besonderen Verdienste. Der am 1. März 1885 von Oberlehrer Hinger aus Vaduz gegründete Obstbaumverein war im folgenden Jahre 77 «Verordnung mit welcher Baumpflanzungen in und zunächst den Wein- gärten untersagt werden.» 9. Juli 1894. LGBL Jg. 1894, Nr. 4. 78 Noch 1860 bemühte sich das Regierungsamt, in Mauren ca. 3 Joch fürst- lichen Bodens (Weideland) in einem Weingarten umzuwandeln. (LRA NR 107/70. 24. Juli 1860. RA an Fürst). Seit etwa 1870 ging dann die Rebfläche Stetig zurück. (LRA 1896/Nr. 571: Verzeichnisse der ausgerodeten Wein- berge in Balzers, Triesen, Eschen, Mauren und Gamprin belegen eine Ver- minderung der Rebfläche seit 20 bis 25 Jahren um insgesamt 53'500 Kl. Der Rückgang betrug in Balzers 500 KL, in Triesen 2'400 KL, in Eschen 18'000 Kl. und in Mauren 27'000 Kl. Für Schaan und Vaduz fehlen die entsprechenden Angaben). Für die Entwicklung von 1887 bis 1918 vgl. Anhang Nr. 51, S. 143 - 146. 79 Kaiser (1847), S. 305; LRA LBS, S. 31; LB Fritz. 80 MLV, Jg. 21 (1911), S. 36. - Nachdem Obst früher nie als Exportartikel erwähnt worden war, wurde es 1871 erstmals zu den Exportgütern gezählt. (LRA 1871/Nr. 1211. Statistische Tabelle: 27. Dez. 1871). 81 «Liechtensteiner Landeszeitung», Nr. 7, 11. März 1865 und Nr. 8, 18. März: «Bericht über den Stand der Gemeindebaumschulen im Fürstenthume.» 82 a. a. O. 83 a. a. O. 84 «Liechtensteiner Landeszeitung», Nr. 17, 24. Okt. 1863: «Bericht über die 1. landwirtschaftliche Ausstellung im Fürstenthum Liechtenstein. — Die Obstausstellung.» 85 «Liechtensteiner Landeszeitung», Nr. 7, 11. März 1865. 175
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.