mehrte Viehhaltung, und damit war auch vermehrt Naturdünger vor- handen. Ob die für die fürstlichen Güter bestimmte Anweisung, Gips zur Bedüngung der Kleefelder zu verwenden, auch im Fürstentum An- wendung fand, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.36 Gleich nach seiner Gründung (1885) setzte sich der Landwirtschaftliche Verein zur Aufgabe, die bestehenden Bodenarten chemisch prüfen zu lassen und aufgrund dieser Untersuchung entsprechende Kunstdüngersorten anzukaufen. Am 2. Februar 1886 hielt Dr. Eugling von Feldkirch einen vielbeacheten Vortrag über die Anwendung künstlicher Düngearten.37 Gleich darauf wurden im ganzen Land Kunstdüngerniederlagen er- richtet. 1886 wurden 2000 Ztr. Kunstdünger verwendet.38 Die Wirkung war günstig. Die künstliche Düngung hatte sich in Liechtenstein neben der Naturdüngung als Ergänzung durchgesetzt.39 Auch die Obrigkeit bemühte sich um den Ackerbau. Liechtenstein hatte dabei den Vorteil, dass seine Landesherren Inhaber von grossen, mustergültig geführten Gutsbetrieben im Kaisertum Österreich waren. 1846, als zusätzlich zu Überschwemmung und Missjahr noch eine neuartige Krankheit, die Kartoffelfäule die Ernten zunichte machte, erliess die Hofkanzlei Anordnungen zur Abwendung dieser Plage.40 1851 wies ein Normale die Untertanen an, wie die Flachsseide, ein Unkraut, das den Futteranbau (Luzerne, Klee) behinderte, vertilgt werden könne.41 Dies ist ziemlich sicher für unser Land der erste Hin- weis für die Anwendung eines chemischen Spritzmittels. Die vom Landtag durchberatene Feldpolizeiordnung vom 23. November 186442 schützte durch strenge Strafbestimmungen das private Ackerland vor fremdem Viehtrieb. Die Gemeinden konnten durch eigens bestimmte Feldhüter Gärten, Äcker und Weinberge überwachen lassen. Die Bearbeitung des offenen Bodens43 erfolgte früher mit dem ge- 36 «Normale, wegen künftigen Bezuges des Gypses zur Bedüngung der Klee- felder» (!). Wien 25. August 1849. 37 Landw. Verein. Jahresbericht 1885/86, Buchs 1886, S. 10 f. Jahresbericht 1886/87, Buchs 1887, S. 7, 11. . 38 a. a. O. 39 MLV, 21. Jg. (1911), S. 46. 40 «Normale zur Abwendung der Kartoffelfäule auf den fürstlichen Herr- schaften.» Wien, 7. Oktober 1846. (LRA NS 1846). Text siehe Anhang Nr. 48, S. 139 f. 41 «Normale zur Vertilgung der Flachsseide, Wien, 12. Okt. 1851. (LRA NS 1851). - Text siehe Anhang Nr. 49, S. 141. 42 «Gesetz betreffend eine Feldpolizeiordnung vom 23. Nov. 1864. LGBL Jg. 1864, Nr. 8. - Vgl. Schädler, Landtag, JBL 1 (1901), S. 111. 43 Ich folge hier: Ferdinand Eimenreich und Gottfried Feuerstein, Die Land- wirtschaft: Vorarlbergs. In: Karl Ilg (Hrsg.), Landes- und Volkskunde, Ge- schichte, Wirtschaft und Kunst Vorarlbergs, Bd. IL: Geschichte und Wirt- schaft, S. 362. 168
        

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