rung der Kartoffeln in Liechtenstein sind wir genau informiert.15 Am 4. September 1790 verkaufte der Pfarrer von Oberschwandorf in Baden an den Landvogt Xaver Menzinger in Vaduz 60 Malter Erdäpfel zu 25 Kreuzern. Die Kartoffeln waren zur Verteilung an die fürstlichen Untertanen bestimmt, um diese bisher kaum gekannte Frucht im Lande allgemein zu pflanzen und einzuführen. Im benachbarten Vorarlberg hatte sich der Kartoffelanbau in den ersten dreissig Jahren des 19. Jahr- hunderts um mehr als die Hälfte verdoppelt.16 In Liechtenstein ist eine ähnliche Entwicklung festzustellen. 1804 sind die Erdäpfel in der Rent- amtsrechnung noch nicht als Zehntfrucht festzustellen.17 1809 bezog die Herrschaft von einigen Feldlagen in Vaduz und Schaan den Erd- äpfelzehnt, der 57 fl 22 kr an Geld einbrachte.18 Die schreckliche Hun- gernot von 1817 beschleunigte den Anbau der nahrhaften Kartoffeln.19 1820 löste die Herrschaft an Erdäpfelzehnt von 9 Feldlagen in Vaduz und Schaan bereits 106 fl 50 kr, 1830 schliesslich von 21 Feldlagen in Vaduz, Schaan und Triesen 217 fl 47 kr.20 Die Kartoffel hatte sich zu- sammen mit dem Mais als bedeutendste Anbausorte im liechtensteini- schen Ackerbau durchgesetzt und Hirse, Ackerbohnen, Linsen und ähn- liche Gewächse als früher wichtigste Nahrungsmittel verdrängt. 1871 nahm der Kartoffelanbau 4% der Gesamtfläche Liechtensteins oder 30°/o der Ackerfläche ein.21 15 Als Quelle dient eine Eintragung im Pfarrbuch von Oberschwandorf in Baden. — Moritz Menzinger, Die Menzinger in Liechtenstein, JBL 13 (1913), S. 34 f. «Liechtensteiner Volksblatt,» Nr. 38, 20. September 1912. 16 Joh. Jakob Staffier, Tirol und Vorarlberg, statistisch und topograpisch mit geschichtlichen Bemerkungen. I. Teil, Innsbruck 1839, S. 210. 17 LRA Rechnungsbücher; Rentrechnung 1804. 18 LRA Rechnungsbücher; Rentrechnung 1809. «Erdäpfelzehnt. Entfiel für die Obrigkeit und wurde meistbiethend erstanden. In der 2ten Pradafand, und der Spania 3 fl 22 kr Amtsboth Rheinberger Im Aufeld 2. 3. und 5. Gang 23 fl Joseph Falch Neufeld ob der Rheinstrasse 14 fl Ludwig Kirchtaler Meyersquader und Ganser Grosspardiel, Malarsch 17 fl Amtsboth Rheinberger 57 fl 22 kr» 19 Vgl. Albert Schädler, Das Hungerjahr 1817 in Liechtenstein, JBL 18 (1918), S.'5 — 25. — Das Jahr 1817 hatte für Liechtenstein die letzte schwere Hun- gersnot gebracht. Bezeichnend ist, dass die sehr schwierige Lage des Landes 1846 besonders auch daher rührte, dass die Überschwemmung, besonders aber die «Kartoffelfäule» die Ernte dieses wichtigen Volksnahrungsmittels zunichte gemacht hatte. 20 LRA Rechnungsbücher; Rentamtsrechnung 1820 und 1830. 21 LRA 1871/Nr. 1211. Statistische Tabelle. 27. Dez. 1871. 165
        

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