Zu den vorzüglichsten und bedeutendsten Erzeugnissen des Landes zählte Landvogt Schuppler 1815 neben Heu und Streue das «Türkenkorn» und Erdäpfel.8 Mais und Kartoffeln hatten also schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits die Vorherrschaft unter den Anbausorten inne. Das war nicht immer so gewesen. Der Mais, im Lande Türken genannt, dürfte Ende des 17. Jahrhunderts nach Liechtenstein gekommen sein. In der Rentrechnung von 1680 findet sich in der Naturalrechnung noch kein Mais.9 Der Türkenanbau wird für Liechtenstein erstmals 1713 be- legt, als die fürstlich liechtensteinische Kanzlei festlegte, «dass der Türken aller Orten dem grossen Zehent zugeeignet werde und Zehnt- pflichtig sei».10 In der Naturalrechnung des Rentamtes von 1732 nimmt der Türken hinter «Kernen» und Gerste mengen- und wertmässig be- reits die dritte Stelle ein.11 Seit 1750 überflügelt er meistens auch die Gerste, um schliesslich seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts auch die «Kernen» vom ersten Platz zu verdrängen. Vor allem Miss- ernten, Teuerungen und Kriegslasten hatten dem Exotischen Korn, dem Mais oder «Welschkorn», schnell zu einer allgemeinen Bedeutung ver- holfen. Massgebend für die schnelle Verbreitung dieser Pflanze war ihre Ausgiebigkeit, die alle anderen Getreidearten weit übertraf.12 Aus- serdem kam das milde Föhnklima dem Maisanbau sehr entgegen. 1871 waren 8% der Gesamtfläche Liechtensteins oder 60% der Ackerfläche mit Mais angebaut.13 Der Mais war das Volksnahrungsmittel des 19. Jahrhunderts und bildete zusammen mit der Kartoffel die Grundlage der Ernährung.14 Die im 17. Jahrhundert aus Amerika nach Europa eingeführten Erd- äpfel gehören zu den jüngsten bodenständigen Anbausorten Liechten- steins. Sie werden erstmals 1751 in einer Lehenurkunde des Klosters St. Luzi erwähnt. Danach erhielten einige Bürger der Pfarrei Bendern einige Klostergüter und Zehntrechte, darunter auch den Zehnt an «Grundbirnen» (Erdäpfel).143 Über die eigentliche allgemeine Einfüh- 8 LRA LBS, S. 30. 9 LRA Rechnungsbücher. 10 Schädler, Eschen, S. 39 u. 48. Auszug aus einem Verhörprotokoll, 2. März 1713. 11 LRA Rechnungsbücher. 12 1871 wird folgendes «Durchschnittsverhältnis der Ernte zur Aussaat» ge- geben: Weizen = 10-faches, Korn = 12-faches, Hafer = 9-faches, Mais = 112-faches Erträgnis der Aussaat. (LRA 1871/Nr. 1211. Statistische Tabelle, 27. Dez. 1871). 13 a.a.O. 14 In der Landesbeschreibung von Schuppler heisst es: «Sie (die Türkenfrucht) ist die Hauptnahrung des Landmannes, und das Mehl wird in der gemei- nen Haushaltung höher geschätzt, als jenes von Halmenfrüchten, weil es schwerer und sättigender ist.» — LRA LBS, S. 33 f. 14a Büchel J. B.: Die Geschichte der Pfarrei Bendern. In: JBL 23 (1923), S. 125 f. 164
        

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