nicht annähernd diesen Flächenanteil erreichten, scheint der Landes- durchschnitt noch unter 8% gelegen zu haben. Infolge der allmählich fortschreitenden Entwässerungsarbeiten, vor allem aber durch die Ein- schlagung und Austeilung von bisher als Weideland dienendem Ge- meindeboden, wurde die Ackerfläche vergrössert. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts bis 1805 wurden ca. lOO'OOO KL, von 1806 bis 1814 wei- tere 300'000 Kl. Gemeindeboden an die Bürger ausgeteilt,4 und diese Entwicklung setzte sich im ganzen 19. Jahrhundert fort. Der ausgeteilte Boden wurde sogleich kultiviert und zunächst meist als Ackerland ge- nutzt. Später hingegen, als der einzelne Bürger seinen Bedarf an Acker- land zur Selbstversorgung gedeckt hatte und nun auch ungünstiger gelegene, schlechtere Gemeindeböden (Riede etc.) ausgeteilt wurden, wandte man sich vermehrt anderen Nutzungsarten zu. 1871 wurden 13% der Gesamtfläche dem Ackerbau zugeschrieben, also rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche.5 Das war wohl der Höchst- stand des 19. Jahrhunderts. Seit den 70-er Jahren bis Mitte der 90-er Jahre sanken die Agrarpreise dauernd.6 Der Liechtensteiner Bauer be- kam infolge der neu geschaffenen Verkehrsverbindungen die Konkur- renz des entfernteren Auslandes mit zum Teil erheblich besseren Pro- duktionsbedingungen zu spüren. Der Ackerbau ging wieder zurück, da mit Viehzucht, Wein- und Obstbau weit mehr Rendite zu erwirt- schaften war.7 4 HKW L 2 — 13, 15. Verzeichnis über den seit 1792 ausgeteilten Gemeinde- boden (1806); LRA LBS, S. 169 f. 5 LRA 1871/Nr. 1211, Statistische Tabelle, 27. Dezember 1871. 6 Lütge, Wirtschaftsgeschichte, S. 512 f.; für Liechtenstein, vgl. Preistabelle, Anhang Nr. 63. 6 1886 gibt der Landwirtschaftliche Verein folgende Situationsanalyse: «Es lässt sich nicht verkennen, dass die neugeschaffenen grossen Verkehrsver- bindungen mit dem Innern des grossen österreichischen Kaiserstaates auf die hierländischen und die benachbarten österreichischen und schweizeri- schen landwirtschaftlichen Zustände bereits einen merklichen Einfluss aus- üben und uns allmählig, aber stetig in eine vollständige Umwälzung des landwirtschaftlichen Betriebes hineinziehen. Heutzutage kann bei uns nur derjenige Bauer von einem wirklichen landwirtschaftlichen Nutzen spre- chen, welcher ein schönes Stück Vieh, Wein oder Obst zu verkaufen hat. Alle andern Produkte rentiren sich mit Ausnahme der Kartoffeln gar nicht oder nur schlecht, weil eben in anderen grossen Ländern die gleichen Produkte aus mehrfachen Gründen bedeutend billiger erzeugt werden kön- nen. Diese Thatsachen, welche jeder einsichtige Landwirth zugeben muss. üben auf uns eine zwingende Macht aus und fordern dazu auf, den alten Gewohnheitsweg zu verlassen und den landwirthschaftlichen Betrieb mit vorsichtigem Verständnis den Ansprüchen der veränderten Zeitlage anzu- passen. Es ist selbstverständlich, dass unsere Landwirthschaft ihr Haupt- augenmerk auf diejenigen Produkte werfen muss, deren Absatz uns einen wirklichen Nutzen bringt. Diese sind, wie schon bemerkt: Vieh, Obst und Wein.» (Tandw. Verein, Jahresbericht 1885/86, Buchs 1886, S. 17). 163
        

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