Überschwemungen zu einer Zeit, als die unbedrohten Fluren noch eine kleine Bevölkerung11 zu ernähren vermochten, nicht dieselbe Bedeu- tung für die Bewohner wie später, als die Talebene immer mehr als Acker- und Wiesland zur Ernährung beansprucht werden musste. An- dererseits führte der Raubbau an den Wäldern in Graubünden zu einer zunehmenden Rüfenbildung, zu Bergstürzen und Erdrutschungen,12 so dass der Rhein immer grössere Geschiebemassen in die unteren Tal- schaften wälzte, sein Bett ständig erhöhte und damit die Talgründe immer mehr bedrohte. Für Liechtenstein sind uns als früheste Rheinüberschwemmungen die vom Jahre 1343 und vom November 1374, als das ganze Talgebiet unter Wasser stand, überliefert.13 Im Herbst 1618 führte der Rhein solche Wassermengen, dass befürchtet wurde, er nehme seinen Lauf durch das Sarganserland in den Walensee.14 Diese Befürchtungen hegte man unter dem Eindruck der drohenden Wassermassen schon 1511, später wieder 1768, 1817, 1821 und 1853.15 Landvogt Schuppler hätte es als ein glückliches Ereignis für unser Land gefeiert, wenn der Rhein diesen neuen Lauf genommen hätte.16 Als «weit verderblicher und zahlreicher» werden die Rheingrössen des 18. Jahrhunderts geschildert.17 In Liech- tenstein wirkten sich besonders aus die Hochwasser vom 28. Juni 1739, 10./11. Juli 1762, 16. Juli 1775, dann in verheerend rascher Folge die von 1781, vom 16. Juli 1785, Oktober 1787 und 28./29. Juni 1789.18 Unsägliche Not brachten dem kleinen, durch die Lasten der napoleo- nischen Kriege völlig verarmten und verschuldeten Land die Über- schwemmungen des 19. Jahrhunderts. Kaum war die Hungersnot von 1816/17, Folge einer völligen Missernte, überstanden, «als schon wieder neu eingetrettene verderbliche Naturereignisse abermahliges Elend und Jammer des Landmanns unausweichlich herbeiführten.»19 Am 27. Au- gust trat der Rhein über die Ufer. Er riss mehrere Dämme und Wuh- rungen nieder. Das ganze Tal stand im Wasser. Die Feldfrüchte waren 1775, 1784, 1787, 1789, 1793, 1799, im 19. 1816/17, 1821, 1829, 1834, 1839, 1846, 1848, 1853, 1855, 1860, 1868, 1871, 1872, 1885, 1888. Die Abnahme der Zahl der Überschwemmungen im 19. Jahrhundert ist bereits auf die koor- diniert errichteten Rheinschutzbauten zurückzuführen. 11 Vgl. unten, S. 38 ff. 12 Hungerbühler, Uferschutz, S. 4. 13 Kaiser (1847), S. 203. 14 Kaiser (1847), S. 432. 15 Krapf, Geschichte des Rheins, S. 12. 16 LBS, S. 19. 17 Krapf, Geschichte des Rheins, S. 16. 18 Kaiser (1847), S. 471-474; Krapf, Geschichte des Rheins, S. 16 f.; Schädler, JBL 1 (1901), S. 130 f. 19 LRA SR B 2, Nr. 244 pol., 5. Sept. 1817, OA an Fürst. Bericht über die Na- turkatastrophe vom 25. - 27. August. (Ebenfalls; HKW 1817 / Nr. 5272). 19
        

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