Zuchtabteilung und 1906 schliesslich die Abteilung für das Herdebuch. Der landwirtschaftliche Verein stiess sofort auf reges Interesse und ent- faltete auf verschiedenen Gebieten eine lebhafte Tätigkeit. Die Mitglie- derzahl stieg von 88 im Gründungsjahr auf 406 im Jahre 1911. Tier- zucht, Wein- und Obstbau wurden in jeder Hinsicht gefördert, Ausstel- lungen und Märkte wurden organisiert und verschiedene Zuchtgenos- senschaften gegründet. Die gesamte landwirtschaftsfördernde Gesetz- gebung beruhte seit Vereinsgründung wesentlich auf dessen Vorarbeit. Durch Vorträge suchte man die landwirtschaftlichen Kenntnisse der Bauern zu erweitern. In Kursen und Anbauversuchen wurden neue Methoden und neue Produkte erprobt und eingeführt. Eine eigene Bibliothek mit Fachliteratur stand den Vereinsmitgliedern zur Verfü- gung. Die erste liechtensteinische Landwirtschaftsstatistik, die über die alten Viehzählungen hinausging, wurde durch den Verein erstellt und regelmässig in dessen Organ veröffentlicht. Diese Angaben über die jährliche Viehausfuhr, die Produktion der Dorf- und Alpensennereien, die Weinernte und viele andere Bereiche der Landwirtschaft liefern uns ein ziemlich genaues Bild der damaligen Verhältnisse. Im Interesse der liechtensteinischen Bauern befasste sich der Verein auch mit dem landwirtschaftlichen Kreditwesen und der Steuerbelastung des Agrar- landes und suchte Landtag und Regierung für Verbesserungen zugun- sten der Landwirte zu gewinnen. Das tatkräftige Wirken und die wert- volle Aufbauarbeit des landwirtschaftlichen Vereins hatten wesentlich beigetragen zum allgemeinen Aufschwung der liechtensteinischen Landwirtschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts.302 Neben dem landwirtschaftlichen Verein, der sicher den weitesten Wirkungsbereich hatte, war für die liechtensteinischen Viehbesitzer der 1873 gegründete Viehversicherungsverein von nicht zu unterschät- zender Bedeutung.303 Der am 1. März 1885 gegründete «Obstbau-Verein» trat schon im folgenden Jahr als eigene Abteilung in den Landwirt- schaftlichen Verein über.304 Viel älter als alle diese auf Landesebene gegründeten Vereine waren die seit altersher bestehenden Dorf- und Alpensennereigenossenschaften, die selbst einen Teil des alten Genos- senschaftswesens darstellten. Ihre Tätigkeit blieb auf die Milchverarbei- tung beschränkt und hatte keine besondere weitere Ausstrahlung. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gingen einzelne Dorfsennereien zu 302 Von 1885 bis 1889 geben die «Jahresberichte über die Thätigkeit des Liechtensteinischen Landwirthschaftlichen Vereins», Buchs 1886 ff., von 1890 an die «Mitteilungen des liechtensteinischen landwirtschaftlichen Vereins an seine Mitglieder», (MLV) Vaduz 1890 ff., Zeugnis von der um- fangreichen Vereinsarbeit. 303 LRA 1873/Nr. 465. «Statuten des Vieh-Versicherungs-Vereines des Fürsten- thums Liechtenstein», 11. Mai 1873. Vgl. unten, S. 325. 304 MLV, 21. Jg. (1911), S. 26. 161
        

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